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An sechs Tagen im Jahr finden wir diesen Quinkunx am Himmel, sofern man einen Orb von 1° zulässt: Sonne = Identität, Quinkunx = schillernd, Neptun = ungreifbar: Diese Menschen machen sich durch eine schillernde Identität interessant. Man kann sie nicht fassen, weil sie im Unklaren lassen was sie wollen. Wer sie wirklich sind bleibt oft ein Rätsel. Wird das Talent professionell genutzt, so haben wir einen Spion vor uns, der über zwei Lebensläufe samt allen Dokumenten verfügt (wieder ist die 2 die Schlüsselzahl für den Quinkunx). Das Ego wird hinter einer Maske versteckt, die C. G. Jung ‚Persona’ nannte.

Eine aufopferungsvolle Persona, die andere Menschen geschickt manipuliert, kann sich als Planet in 8 im Quinkunx zu Neptun in 1 zeigen. Dieses Muster finden wir durchaus bei sozial tätigen Personen, die das Schild der Aufopferung vor sich her tragen und damit ihr Umfeld manipulieren.

Die Persona besteht aus einer Summe von Verhaltensweisen, Eigenschaften, Ansichten und Reaktionsformen, die wir uns ‚angelegt’ haben, die also gerade nicht unmittelbar Ausdruck unserer Persönlichkeit sind. Im Gegenteil: hinter dieser Seelenmaske liegt unsere Individualität verborgen. Wir können hinter dieser Fassade unser eigentliches Wesen verstecken. Als Bestandteile der Persona wählen wir solche Elemente aus dem Vorrat menschlicher Eigenschaften aus, die dem Idealbild entsprechen, das wir von uns selbst haben.

H. Barz und andere Autoren: Heilung und Wandlung: C. G. Jung und die Medizin, S. 44 f.

Viele Menschen mit diesem Quinkunx betrachten Berechenbarkeit und Unverwechselbarkeit der eigenen Persönlichkeit als wenig prickelnd. Ohne Zweifel hat es seinen Reiz, die Charakterzüge eines anderen Menschen zu kopieren. Den Zwillinge-Charakter des Quinkunx sehen wir darin, dass es den Horoskopeignern diebischen Spaß bereitet, in einer darstellerischen Vielfalt aufzutauchen und die Umgebung zu narren.

Wie gesagt zeigt sich der Quinkunx oft in manipulativem Gewande. Mit der Sonne als Eckpunkt  ist es eine gut versteckte Eitelkeit. Wichtigkeit und Kompetenz der eigenen Person werden herunter gespielt und man hält den Aufhebens, den andere Menschen um die eigene Person machen “für völlig unnötig”. Bei genauerem Hinsehen wird ein riesiges Ego deutlich, wenn auch nicht beweisbar, wiederum versteckt – Faszination Quinkunx!

Oft wird davon gesprochen, man müsse das Horoskop in einem Gesamtzusammenhang deuten und keinen Faktor isoliert interpretieren. Ein Ansatz dazu liefert das kybernetische Modell der TPA, welches die Horoskopfaktoren in eine Wechselwirkung zueinander bringt und diese gegenseitige Einflussnahmen sichtbar macht. Jedoch ist das kybernetische Modell eine von vielen Herangehensweisen, Horoskopfaktoren zueinander in Beziehung zu setzen. 

Die Wechselwirkung, die mir in den letzten Jahren am stärksten ins Auge gesprungen ist, ist die zwischen Saturn und Uranus. Wird von Uranus gesprochen, dann geht es um das Exzentrische, um das Außergewöhnliche und Komische. Diese Attribute zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich von etwas abheben und abzeichnen, vom „Normalen“ abgrenzen. Dieses „Normale“ repräsentiert der Saturn, er gibt die Norm und das Gesetz vor.

Somit ist der Übergang von Steinbock zu Wassermann etwas ganze besonderes, denn er steht für den Übergang von der Norm zur Anti-Norm und für die Polarität dieser beiden Prinzipien. So verschieden sie jedoch sind, so abhängig sind sie voneinander, denn das Eine definiert sich durch das Andere und umgekehrt. 

In der Astrologie ist mir dieser Umstand besondern im Bereich der Sexualität aufgefallen. Wenn es z.B. um gleichgeschlechtliche Liebe geht, wird von Seiten vieler Astrologen gleich mit „Venus/Uranus“, „Mars/Uranus“, „Mond/Uranus“ usw. um sich geworfen, und sie sehen in diesen Konstellationen schon das Komische dieser Art der Liebe begründet, da sie ja (scheinbar sehr oft) von Uranus-Konstellationen angezeigt wird. 

Doch das ist eine Milchmädchenrechnung, denn der Uranus definiert sich immer über den Saturn. Und der gibt in unserer Gesellschaft als Norm die Mann/Frau- Beziehung vor. Jedoch liegt es in der Natur der Sache und des Lebens, dass auf eine Norm immer eine Anti-Norm folgt. Es ist gar nicht anders möglich, denn nichts im Leben erfüllt zu 100% die Norm. Bezogen auf die gleichgeschlechtliche Liebe bedeutet das, dass ihr der Uranus zugeschoben wurde, und der gegengeschlechtlichen Liebe der Saturn. Würde sich z.B. die Einstellung der ganzen Gesellschaft nachhaltig ändern, würden sich die Parameter des Saturn verschieben und somit auch die des Uranus. Konkret heißt das, dass wenn die gleichgeschlechtliche Liebe als Lebensform vollständig akzeptiert und nicht mehr als ungewöhnlich betrachtet werden würde, wäre der Uranus für diesen Bereich nun nicht mehr zuständig, weil sich die Parameter von Seiten des Saturn verschoben haben. 

Daraus folgt für mich, dass der Uranus immer und jederzeit im Spiegel des Saturn zu betrachten ist und dass es nichts gibt, was an sich schon „abnormal“ ist, bis man es in Bezug zu etwas setzt. Doch für den Menschen ist es wichtig, zwischen „Normal“ und „Unnormal“ zu entscheiden, er braucht Kategorien, nach denen er sein Leben ordnen und strukturieren kann. Jedoch ist man dazu aufgefordert, in diesen Kategorien nicht ewig zu verharren, sondern sie zu gegebener Zeit zu hinterfragen und zu erneuern. Diese Phasen werden durch Saturn/Uranus-Konstellationen angezeigt, wenn also der Saturn durch den Uranus gestürzt wird und sie sich gegenseitig “zerstören”, um schließlich neue Relationen und Kategorien zu schöpfen.

Auch zeigt dieses Beispiel, dass ein Radix nie etwas über die Sache an sich  aussagt, sondern immer nur über die subjektiven Erfahrungen, die im eigenen Leben mit einem bestimmten Thema gemacht werden.  Über die Normalität, Abnormalität oder Verwerflichkeit eines bestimmten Verhaltens kann und soll aufgrund des Radix nichts ausgesagt werden. Und das ist auch gut so…

Unsere Reise mit dem Quinkunx geht weiter. Wir erreichen den großen Gasplaneten Jupiter und verbinden ihn astrologisch mit der Himmelsmitte, genannt Medium Coeli. Es geht um die Entfaltung der in uns angelegten Möglichkeiten – und diese Wachstumschancen richten wir auf unsere Ziele; sie werden Teil unserer Ambitionen.

Die Grundbedeutung des obigen Aspektes lautet, dass der Wunsch nach Erfüllung, Aufschwung und Wohlstand unehrlich motiviert ist oder halbherzig verfolgt wird. Manchmal gilt beides. Menschen mit diesem Quinkunx in der Radix sind anfällig dafür, liebend gerne Wind um das zu machen, was sie vorhaben, gehen aber rasch über die Möglichkeit hinweg, dass ihre Pläne eine Nummer zu groß für sie sein könnten.

Wir Astromediziner wissen, dass der Aspekt bei Patienten mit Vorfällen ihrer Bandscheibe sowie bei Bronchialasthma gehäuft vorkommt. Außerdem ist es eine klinische Erfahrung, dass ein Bandscheibenvorfall (medizinisch: Diskusprolaps) durchaus auch dann auftritt, wenn die betroffene Person nicht einmal besonders viel gestemmt hat. Er tritt m. E. auch dann auf, wenn der Patient hoch hinaus wollte, aber in der entscheidenden Situation kneift, weil ihn die Dimension seines großen Plans auf einmal ängstigt. Da er aber nicht eingestehen kann, dass er für den ganz großen Wurf zu klein ist, übernimmt er sich unbewusst genau an der Stelle, die es erfordert hätte, etwas Bahnbrechendes zu vollbringen.

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Der bandscheibenkranke Himmelsstürmer hat also zuerst seine faszinierten Zuhörer mit seinen Visionen für sich eingenommen und vollmundig angekündigt, »die große Kuh fliegen zu lassen«, aber es fehlte ihm auf halber Strecke der Mut, für etwas wirklich Großes auch alles zu geben. Genau zu dem Zeitpunkt, als er auf der Startbahn steht, um seinen Wolkenkratzer anzufliegen, versagt seine Wirbelsäule. Der Prolaps hilft ihm aus der Patsche, denn er braucht jetzt keine Ausrede mehr für seine plötzliche Angst. Ähnliches gilt für Asthma bronchiale. Die typische Schwierigkeit, auszuatmen zeigt einen Patienten, der offensichtlich den Mund zu voll genommen hat: »Denen da oben werden wir es zeigen«, meint er in seiner Begeisterung für Triumphe. Das erinnert mich an den legendären Che Guevara, der Asthmatiker war und im letzten Abschnitt seines Lebens völlig den Blick für die politische Realität verlor.

Jupiter hilft uns im Karneval, Fasching oder Helloween, eine Rolle zu spielen, die wir realistisch betrachtet nie ausfüllen könnten. Wir dürfen uns endlich einmal ungefährdet anmaßend verhalten: Wir dürfen Captain Kirk sein. Er lässt die Dinge beschwingt aussehen. Ich erinnere mich daran, wie Woody Allen in »The Purple Rose of Cairo« die Scheinwelt Hollywoods bissig aufs Korn nahm. Er ließ ein stehendes Auto filmen, während die Leinwand hinter ihm davon raste und er zeigte einen Schauspieler, der in einem Restaurant mit Spielgeld bezahlen wollte. Das ist der wunderbare und hochfliegende Zauber Jupiters, der in Kombination mit dem Quinkunx vor allem als Bluff zum Ausdruck kommt. Jupiter und die Himmelsmitte haben den Schlüsselbegriff »oben« gemeinsam: Diesen Menschen drängt es nach oben, gesellschaftlich oder auch ins Universum und die Mitmenschen amüsieren sich über diesen Hobbyastronauten oder Schauspieler mit seinen hochfliegenden Plänen, von denen er viele auf halben Wege klammheimlich in einem Wurmloch entsorgt, wenn er sich in einem ehrlichen Moment seiner winzigen Existenz bewusst wird.

Am augenblicklichen Himmel bilden Saturn und Neptun einen Nebenwinkel, den faszinierenden Quinkunx – einen Aspektwinkel von 150°. Wendet man einen Orb von 1° an, so dauert der Aspekt bis Mittel Juli 2010, sonst etwas länger. Der Quinkunx ist der bedeutendste Nebenaspekt in der Astrologie. In seiner Vielseitigkeit hat er merkurische, neptunische, plutonische und Waage-Anteile.

Dem 150°-Aspekt ist die Zahl 2 zugeordnet. Mit den Schlüsselwörtern Zweifel, Zwiespalt und Zweideutigkeit ist er merkurisch. Die gespaltene Zunge der Schlange ist ein sehr schönes Bild: Es wird mit zwei Zungen gesprochen und die Zuhörer wissen nicht, ob sie informiert oder verschaukelt werden. Merkur im Sinne des Quinkunx ist der Stratege, niemals auf den Mund gefallen, der zwischen zwei Optionen blitzartig hin- und herschwenkt, je nach Opportunität. Das Neptunische des Quinkunx liegt in Verdrängung, Beschwichtigung, Vortäuschung … und in seinem Zauber, seiner Verzauberung. Er kann so sehr verzaubern und täuschen, dass er ein X für ein U vormacht. Das Plutonische am Quinkunx ist nicht nur diese Manipulation. Wir haben darüber hinaus (unbewusste) Triebinteressen und unter einem bestimmten Vorwand täuschen wir unsere Mitmenschen, um das zu bekommen, was wir heiß ersehen: der Quinkunx als Sehnsuchtsaspekt. Ein weiterer Zug der Sehnsucht liegt am deutlichsten im Yod-Aspekt vor, mit einer Aspektreihe aus einem Sextil und zwei Quinkunxen. Wir können uns nicht entscheiden, denn wir wollen auf das jeweils andere, das uns entgeht, nicht verzichten. Die Unentschlossenheit ist typisch für das Zeichen Waage.

Saturn und Neptun sind keine Freunde. Saturn repräsentiert das Prinzip Sicherheit durch Abwehr und Struktur durch Materie. Saturn ist der Straßenbahnkontrolleur, der Feind der Beförderungserschleicher … er ist der „Klang des Unvermeidlichen“, wie Agent Smith es im Hollywood-Klassiker »Matrix« ausdrückt. Und Neptun?  Strukturlos … nicht zu objektivieren … durchscheinend wie eine Qualle … (freude)trunkener Dichter … Visionär … Schleicher und Lügner. Er ist der »Herr der Regentröpfchen«. Schauen wir in einen Regenbogen, so entfaltet sich der ganze Zauber der Spektralfarben. Ein Quinkunx zu Neptun zeigt also zweifach das Thema Zauber und Blendwerk.

Kombinieren wir das Gesagte und beziehen es auf die Gegenwart, so offenbart sich ein äußerst geschickter, zunächst glaubhafter Umgang mit Fakten. Es werden Beweise vorgelegt, ein persönliches Ehrenwort abgegeben. Zuerst leugnet diese Person. Sie erinnert sich nicht. Ihre Amnesie ist etwas zutiefst Saturnisches, das sie vor Erinnerungen schützt, damit die eigene Lebensleistung nicht zerstört wird. Die quinkunxtypische Strategie der Verteidigung liegt darin, anderen Menschen Ungenauigkeit oder Lüge zu unterstellen, (eine atemberaubende Form von Projektion). Reicht dies zur Verteidigung nicht aus, kommen hinzu: Verschleppung der Stellungnahme, ein Arsenal undeutlicher Begriffe, geheucheltes Mitgefühl. Um zu verhindern, dass der eigene Standpunkt vollends fortschwimmt, gibt die Person zu bedenken: „Wir sprechen von einer Zeit, als mein Verhalten vom Mainstream gedeckt wurde. Es war in keiner Weise ungewöhnlich!“.

Was hilft gegen die Tücke des Quinkunx?

Radikale Selbstentschleierung, sonst macht es die Öffentlichkeit. Wenn wir versuchen, unseren inneren Saturn zu behumsen, dann tritt die Umwelt in saturnischem Gewande auf und straft uns ab – wenn auch manchmal selbstgerecht.

Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1970 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.
<img src=”http://www.astro-motion.de/wp-content/uploads/2010/04/Chiron-Foto-Bachmann-150×150.jpg” alt=”Bildquelle: http://www.amazon.de/Die-Chiron-Fibel-Verena-Bachmann/dp/3907029801/ref=pd_sim_b_3″ width=”150″ height=”150″ />

Bildquelle: www.amazon.de/Die-Chiron-Fibel-Verena-Bachmann/dp/3907029801/ref=pd_sim_b_3

Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).
Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.
Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher <strong>fragmentarisch</strong>.

Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1977 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.

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Bildquelle: www.amazon.de: Die Chiron-Fibel, V. Bachmann

Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).

Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.

Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher fragmentarisch.

Neptun ist ein Planet, der vielen Menschen Problemen macht, da er sie verunsichert und aus dem Konzept bringt. Oft sind wir viel zu sehr im Alltagsgeschehen involviert, sind von den visuellen Eindrücken unserer Zeit überfordert. Wir haben nicht mehr die Zeit, alles in Ruhe zu verarbeiten, einmal Abstand zu nehmen und die Zeit einfach vorbeiziehen zu lassen.

Durch den ständigen Druck distanzieren wir uns immer mehr von uns selbst, werden blind für die Stille und die Tiefe, die sich in uns befindet, werden abgestumpft. Ist dem so, dann erleben wir Neptun als Irritation, als Irrlicht. Wir haben den Zugang zur intuitiven Erkenntnis verloren. Seine Transite können uns verwirren, doch die Verwirrung zeigt nur, dass wir in dem betroffenen Bereich zu lange nicht nach der Wahrheit gelebt haben.

Wenn wir uns schließlich auf die Suche nach der verlorenen Wahrheit  begeben, werden wir oft gegen Wände laufen und umkehren müssen. Uns scheint die Welt wie verhext, ungreifbar. Die suche nach der Wahrheit geht notwendigerweise mit vielen Irrtümern einher. Jedoch ist es in dieser Phase nicht ratsam, sich allzu strenge Konzepte zu machen und Rahmen festzulegen. Je mehr wir in den Gewässern strampeln, in denen wir stehen, desto mehr Wellen werfen wir auf und wir sehen nicht zum Grund. Innehalten, in sich hineinhören und Stille walten lassen sind die Mittel, mit denen man den Transiten Neptuns konstrukiv begegnen kann.

Bezogen auf die heutige Zeit ist es besonders schwer, die Stille Neptuns zuzulassen. Man kann es sich kaum leisten, loszulassen, die Dinge gehen zu lassen, da sich die Probleme dadurch nur noch zu vermehren scheinen, da einem sonst der Alltag erst recht über den Kopf wächst. Doch es hilft, nach Möglichkeit ruhig zu bleiben, nicht dauernd in den Terminkalender zu spicken und ständig nach einer Aufgabe zu suchen. Die Erkenntnis kommt mit der Zeit, und die ist geduldig.

Karma-Astrologie Part II

Kommen wir zur Begriffsklärung, die in Karma-Astrologie Part I etwas kurz gekommen ist.

Wörtlich übersetzt bedeutet Karma Tat/Handlung. Kurz angerissen wurde auch die Bedeutung der Motivation von Handlungen für das Karma. Verkürzt könnte man sagen, dass sich im Karma die Konsequenzen der eigenen Taten ausdrücken bzw. die Tatsache, dass es so etwas wie Karma gibt, diese erst hervorbringen. Es lohnt sich, das genauer zu betrachten und daraus dann Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit einer Astrologie zu ziehen, die vorgibt, Taten aus vergangenen Leben erkennen zu können.

Nehmen wir an, jemand ist eher ängstlicher Natur und sorgt sich vor allem darum, was andere über ihn denken. Er tut dann unter Umständen vieles, um gemocht zu werden, gut dazustehen, er beäugt sich selbst kritisch und spricht innerlich viele Urteile über sich. Das hat zur Folge, dass er sich nicht vollwertig wähnt und im Laufe der Jahre gewöhnt er sich daran, seine Taten etwas auszuschmücken, um sie aufzuwerten. Er schwindelt also ein bisschen.

Doch früher oder später wird das kompliziert, weil man sich ja merken muss, was man wem an aufgerüschten Geschichten erzählt hat. So wird man entweder sehr wortkarg, um sich nicht zu verplappern oder aber erzählt sich und anderen Geschichten, die mehr oder weniger identisch sind. Oder man erfindet neue Geschichten, um zu kaschieren, dass man schon vorher bissel geschwindelt hat. Und so zieht derjenige das Netz um sich selbst immer fester und enger, verliert den Bezug zu den tatsächlichen Geschehnissen und lebt in einer erzählten und gedachten Welt. Das ist die Auswirkung, die Folge. Die Saat war die Angst und Sorge, nicht gut angesehen zu sein und sich daher ein wenig aufzuwerten. Als heutige Folge ist da die Sorge, enttarnt zu werden. Das Denken und das Handeln werden davon bestimmt.

Ändern kann man das Gewesene nicht. Was man tun kann, ist erkennen und dann neue Wege beschreiten. Das erfordert Mut und vor allem Übung in der ungewohnten Sicht- und Handlungsweise. Als weniger hilfreich hat sich in vielen Fällen erwiesen, weiterhin im Kreislauf der Urteile über sich selbst zu verharren, gedanklich bei Dingen zu bleiben, an denen nichts mehr zu ändern ist.

Das Gute an dieser „Diagnose“: So etwas hat man erlebt, es ist einem nahe. Man weiß, dass man geschwindelt hat, man kennt die Folgen und kann lernen, ohne diese Verschönerungen auszukommen. Man kann aber natürlich auch zum Karma-Astrologen gehen, der konstatiert, dass man einen rückläufigen Merkur in Konjunktion zum rückläufigen Neptun in Haus 3 und schon in vielen Leben Nachbarn und Geschwister beschwindelt hat.

Da kann man dann vermutlich nur noch einen Drehschwindel bekommen… Denn überprüfbar ist eine solche Aussage nicht. Eher zementiert sie das bisherige Verhalten als etwas Schicksalhaftes oder esoterisch-moderner ausgedrückt als „karmisch“ Bedingtes. Ob das hilft, Konditionierungen zu erkennen, sei dahingestellt. Zudem wird meines Wissens nie erwähnt, dass Karma Umstände „braucht“, unter denen es zur „Reife“ gelangt. Gibt es diese Umstände nicht, dann braucht man sich den Kopf über den rückläufigen Merkur in Konjunktion zum Neptun in Haus 3 oder nicht vorhandene Geschwister auch nicht zu zerbrechen.

Karma-Astrologie Part I

Nein, nein, das wird keine Einführung in die Karma-Astrologie. (Falls Sie eine solche suchen, bemühen Sie bitte Google oder Bing erneut.) Ich verstehe aber, dass das Thema Sie fasziniert. Es klingt so bedeutsam, so mystisch, so geheimnisvoll – und so viel versprechend. Sollten Sie dennoch weiterlesen wollen, rechnen Sie mit einer gelinden Ernüchterung.

Mir liegen drei Bücher vor, die sich mit Karma-Astrologie beschäftigen, zwei davon im Sinne einer Einführung mit vielen Beispielen und Textbausteinen der karmischen Bedeutungen von Konstellationen. Das dritte ist eine Zusammenfassung mehrerer Seminare, in denen es hauptsächlich um die Bedeutung der rückläufigen Planeten geht. Bei Buch Nr. 1 und Nr. 2 stellen sich mir die Haare auf. Da finden sich Aussagen wie:

Der Horoskopeigner nutzte in früheren Zivilisationen kosmische oder irdische Energie, um fortschrittliche technologische Neuerungen zu realisieren (rückläufiger Uranus in Wassermann).

Oder:

Die Geschwister des Horoskopeigners hatten in seinen früheren Leben große Schwierigkeiten, mit seiner Ungeduld ihren Wissensfortschritten gegenüber fertig zu werden (rückläufiger Uranus im 3. Haus).

Beides ist in keinster Weise belegbar oder überprüfbar, abgesehen davon, dass nicht näher erläutert wird, was man unter kosmischer Energie zu verstehen hat oder was der Horoskopeigner daraus für seinen Umgang mit aktuell nicht vorhandenen Geschwistern lernen kann. Ähnliche Deutungen ziehen sich durch sämtlich Kapitel der beiden Bücher. Der Leser, der versucht, die Materie ernst zu nehmen, wird sich nach einer Weile fragen, ob er denn wirklich so ein ungeratenes Subjekt ist und sich schlimmstenfalls die Kugel geben wollen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, so etwas liest man in einschlägigen Foren nicht selten.

Beschäftigen wir uns aber zunächst mit einem kleinen Beispiel.

Ein Mann bringt einen anderen mittels eines Schneidwerkzeuges ums Leben.

Was bedeutet diese Tat für sein Karma?

Jemandem das Leben zu nehmen, ist wohl eher nicht so förderlich. Allerdings kommt es auf die Umstände und vor allem auf das Motiv der Handlung, der Tat (wörtliche Bedeutung von Karma: Tat, Handlung). Wenn ein Chirurg beherzt sein Skalpell ergreift, um jemanden vielleicht doch noch mit einer Notoperation zu retten, so ist das etwas anderes als ein Mord.

Gehen wir einen Schritt weiter: Beide, der Chirurg und der Mörder weisen ähnliche Konstellationen im Horoskop auf, zum Beispiel einen rückläufigen Mars in Skorpion. Wie will ein Astrologe wissen können, ob derjenige nun womöglich Arzt oder Mörder war, um dann im Brustton der Überzeugung zu äußern, dass man in früheren Leben ein gewalttätiger Mensch gewesen sei und dieses Karma nun abzubüßen hätte? Was macht ein Kunde mit so einer Aussage? (Bestenfalls zeigt er dem Astrologen einen Vogel oder lacht schallend, aber die Absurdität solcher Aussagen muss ja zunächst durchschaut sein, was in bestimmten, zu solchen Astrologen treibenden Situationen nicht immer leicht fällt.) Was hilft dieses „Wissen“, was nützt es bei der Bewältigung von Problemen oder auf der Suche nach Lösungen? Bestenfalls kann eine Akzeptanz des eigenen Soseins die Folge einer solchen Beratung sein, eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Da aber der direkte Bezug zum damaligen Erleben fehlt, scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mehr als große Knoten im Kopf die Folge sind. Was ja Anlass sein kann, sich zu fragen, wie man auf die Idee kam, etwas über sein Karma erfahren zu wollen. Ganz allgemein dürfte dieser Kommentar es wohl eher treffen:

Ist doch schön: dass es einem jetzt so schlecht geht, lag daran, dass man iiiiiiirgendwann mal ein ganz schlechter Mensch war. Der man heute allerselbstverständlichst nicht mehr ist. Also braucht man an sich auch nichts mehr zu arbeiten, weil man ja sowieso nur noch die alte Strafe absitzt undA danach dann wahrscheinlich erleuchtet ist.

Falls Sie das Lesen des bisherigen Textes nicht ermüdet oder gelangweilt hat, freuen Sie sich auf Karma-Astrologie Part II demnächst hier in diesem Blog.

Das 12. Haus

Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich vielen sattsam bekannten Beschreibungen des 12. Hauses wie Rückzug, geheime Feinde, Träume etc. zugestimmt. Mittlerweile meine ich, dass das 12. Haus gar nicht so geheimnisvoll und unwirklich ist. Es ist nur dann unwirklich, wenn man es von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, mit einem bestimmten Bewusstsein, einer bestimmten Richtung der Aufmerksamkeit.

Das 12. Haus ist das Haus, durch das alle Planeten zuerst laufen, vom AC aus betrachtet. Das heißt für mich, dass das, was zunächst völlig instinktiv ist (Haus 1 bzw. AC), sich zu entwickeln, zu formen beginnt. Eine Entsprechung dieser Formung ist die Entwicklung im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt. Dieser Zustand ist mehr oder weniger „paradiesisch“, ungetrennt, alles wird als Einheit begriffen, erlebt, gefühlt. Und zu diesem Zustand, in dieses Paradies möchte man zurück. Aus der Haltung des gewöhnlichen Bewusstseins heraus erscheint diese Allverbundenheit mystisch, schwer erreichbar, kaum erklärlich. Das „gewöhnliche Bewusstsein“ wird etwa von Richard Moss als das Bewusstsein des Ersten Wunders beschrieben. Dieses Bewusstsein ist ein Wunder, denn die Natur selbst hat in einem langen Prozess eine Lebensform geschaffen, die ein Bewusstsein ihrer selbst hat. Aus diesem Bewusstsein heraus geschieht zwangsläufig eine Trennung in Objekt und Subjekt: Ich hier und da die Anderen. Aus der Ichhaftigkeit heraus entsteht Leid, denn das Ich ist so fragil, dass es geschützt werden soll. Angst um dieses instabile Ich lässt unter anderem Abwehrmechanismen entstehen. Diese Schutzmechanismen verstärken das Empfinden des Getrenntseins, und so wird der paradiesische Zustand der vermeintlichen Leidfreiheit gesucht (12. Haus).

Das Bewusstsein des Zweiten Wunders empfindet sich nicht mehr als getrennt. Das Erste Wunder ist Voraussetzung dieses erneuten Wunders, und es ist Zeuge hierfür. Im Bewusstsein des Zweiten Wunders “wird man wie die Kinder”, erlebt sich ungetrennt vom Geschehen, vom Leben. Man ist also in diesen Zuständen, in denen das Ich mit dem Tun, mit dem Erleben verschmilzt, im „Paradies“, im 12. Haus. Und daran ist nichts Mystisches, Geheimnisvolles. Jede Tätigkeit ist geeignet, einen in diesen Zustand zu versetzen. Das kann ein Tanz sein, eine Abfahrt mit den Skiern, die Hingabe beim Malen eines Bildes. Es wird keine Trennung mehr empfunden, man ist völlig eins mit sich und seinem Tun.

Das Zweite Wunder ist im Grunde genommen nichts weiter als eine Verlagerung der Aufmerksamkeit. Wer aber meint, diese Zustände noch nie erlebt zu haben, in denen man völlig „verschmilzt“, dem scheinen diese Zustände kaum erreichbar und „unbeschreiblich“. Dabei ist es eine andere Form der Präsenz. Im 12. Haus sieht man die Dinge, wie sie sind (auf tibetisch heißt das „Chö“, im Sanskrit „Dharma“). Ungeschminkt, ungefiltert, ohne Urteile, ohne Konzepte. Es ist der volle Kontakt zu dem, was ist, zum Leben an sich.

Barack Obama fasziniert gekonnt die Massen und versteht es, die Menschen mit seinem Idealismus und seinen Visionen zu faszinieren. Jedoch ist es nicht nur das, es sind auch seine konkreten Handlungen, die völlig im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush stehen und ihm das Image eines Verbesserers verschaffen (aktuell nehmen seine Popularitätswerte in den USA jedoch ab, was mich persönlich verwundert. Vielleicht haben sie entdeckt, dass auch er ein Mensch ist?)

Am 9. Oktober 2009 wurde nun verkündet, dass Obama den Friedensnobelpreis erhalten wird. Dessen Übergabe wird am 10. Dezember 2009 in Oslo stattfinden

Um dieses Ereignis astrologisch näher zu beleuchten, habe ich Obamas Radix mit der Transitdirektion des Jupiterbogens untersucht, der Herrscher des 10./11. Hauses ist und somit für seine Bedeutsamkeit und Position in der Gesellschaft zuständig ist. Überdies steht er noch in Haus 12, ist also für den ganzen IV. Quadranten zuständig

Ich möchte an diesem Punkt vorausschicken, dass ich eine korrigierte Geburtszeit verwende, nämlich 5 Minuten nach der offiziellen Angabe. Roland Gross (http://www.roland-gross.eu/), ein Astrokollege von mir, positionierte das MC auf 0° Schütze und ich halte das ebenfalls für richtig, und warum, das wird sich gleich zeigen:

Betrachtet man nun die Transitdirektion nach dem Jupiterbogen für den 10. Dezember 2009, so steht der dirigierte Neptun genau am MC. Somit ist die Korrektur von Roland Gross als richtig anzunehmen.

Der Jupiter selbst steht im Transit als Herrscher von Haus 10 (und 11) in Haus 1. Roscher schreibt dazu „Zur Bedeutsamkeit geboren“. Da es sich hier um einen Transit handelt, muss man das hier als Zeitphase deuten. Somit wird als schon mal nur durch die allgemeinen Transite das Thema angezeigt, gesellschaftlich aufzusteigen und bedeutsam zu werden.

Der T-Jupiter steht auch noch in Konjunktion mit T-Neptun, Jupiter/Neptun, die Idealisierungs- und Glorifizierungskonstellation schlechthin. Im Radix von Obama zeigt sich Jupiter/Neptun über den Radix-Neptun in 9, der ihn in der Öffentlichkeit mit seinen Visionen glänzen lässt.

T-Neptun (mit T-Jupiter) steht in Opposition zum Radix-Uranus, Uranus/Neptun. Uranus/Neptun hat Obama über die 19° Wassermann am AC (Uranus/Neptun-Grad), und Uranus/Neptun entspricht nach Roscher dem Zustand „Wunder werden wahr“. Die Menschen können in ihm nun wieder einmal den Weltverbesserer sehen.

Der dirigierte Neptun am MC sticht am deutlichsten heraus. Neptun am MC bedeutet, die Öffentlichkeit durch ungreibare Ausstrahlung in seinen Bann zu ziehen, in der Gesellschaft den Status eines Selbstlosen und Selbstaufopfernden zu erreichen und zu einer idealisierten Heiligenfigur zu werden, so wie es Lady Diana mit ihrem Neptun in 10 ja war. Was würde von der Analogie her besser zu einer Friedensnobelpreisverleihung passen, als ein Neptun genau am MC?

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