Astrologie – doch Blödsinn?
7. September 2009 von Ouranos
Als Astrologe versucht man ja hin und wieder, eine Prognose zu machen. Meistens tendieren wir u.a. aber dazu, es nicht zu sehen, wenn wir offensichtlich etwas falsch machen. Dann haben wir vielleicht das falsche Horoskop genommen, die falschen Daten usw. Doch auf die Idee, dass Astrologie vielleicht doch nur Blödsinn ist und wir unseren eigenen (Wunsch-)Vostellungen einer übergeordneten “Kraft” unterliegen, die lassen wir natürlich nicht aufkommen. Wir wissen ja, das Astrologie funktioniert – oder?
Einmal ein Beispiel aus dem Alltag:
Eine sehr bekannte Kaberettistin will noch dieses Jahr in meiner Stadt auftreten. Ich liebe ihre Sketsche und Beispiele aus dem Alltag. Sie sind direkt dem Leben entnommen und nicht gekünstelt oder krampfhaft lustig. Sie sagt, was wir alles denken. Natürlich wollte ich mir Karten besorgen doch siehe da: Restlos ausverkauft!
Jetzt war ich natürlich enttäuscht. Doch ich dachte mir, vielleicht werden noch Karten frei, da jemand unerwartet doch nicht kommen kann. Kartenkontingente verändern sich meistens nämlich noch ein paar Mal vor dem Event. Ich hatte also vor, mich in einer Warteliste einzutragen für Karten, die evt. doch noch frei werden.
Und was macht man als Astrologe? Richtig, man schaut, ob das ganze etwas wird. Doch welches Horoskop verwenden? Das Horoskop des Auftrittes? Doch was nützt mir eine günstige Verbindung zwischen dem Horoskop des Auftrittes und meinem Radix, wenn ich evt. gar keine Karten kriege? Dann kann ich maximal durch das Klofenster auf der Rückseite des Hauses vielleicht etwas mitkriegen ^^
Am einfachsten und logischten erschien mir, das Radix der Kabarettistin zu nehmen und es in Verbindung mit meinem zu setzen und auf günstige Auslösungen am Tag des Auftrittes zu schaun. Denn wenn die Verbindung zwischen mir und ihr an diesem Tag auf “Begegnung” steht, dann muss ich ja vorher zu Karten gekommen sein, oder nicht?
Doch jetzt stellt sich folgende Frage: Welche Technik? Synastrie, Composit, Combine, Viertelcombine…? Die Synastrie erschien mir zu aufwendig, mit den vielen Interaspekten + Transite, nee. Das Composit halte ich aus anderen Gründen für eine Mogelpackung. Das Combine wäre hier u.U. eine gute Wahl, doch am ehesten wäre hier das Viertelcombine zu nehmen.
Das Viertelcombine ist ein Combine zwischen einem der beiden beteiligten Radices und deren Combine. Wenn ich jetzt ein Combine zwischen “A” und dem Combine “A/B” mache, dann kriege ich das Viertelcombine von “A”. Das 7.Haus von dem Viertelcombine “A” + “A/B” sagt nun aus, was der “A” von “B” innerhalb der Bindung kriegt und was auf ihn zukommt.
Also hier nun das Viertelcombine von mir auf Basis der Verbindung zwischen mir und der Kabarettistin (da ihre Geburtszeit nicht bekannt ist, habe ich als Hilfshoroskop ihr Radix-MC auf ihre Radix-Sonne gelegt) und im Außenkreis das Tageshoroskop von dem Tag, an dem ich sie live sehen würde:

Wie man an den Auslösungen gut sehen kann, steht eine Begegnung durchaus im Raum. Am MC vom Tageshoroskop steht Jupiter/Neptun, was schon mal ein Indiz ist. Jupiter ist Herrscher von 7, die Kabarettistin und das MC ist die Öffentlichkeit. Herrscher von 7 in 10 entspricht aber auch dem Bedeutsamen Partner, der Partner, der berühmt ist. Dazu der Neptun, der das ganze zu einem Traum macht. Jupiter/Neptun ist ja eine Konstellation, die voll von Träumen, Visionen und Fantasie ist. Ich weiß, wie ich mich fühlen würde, wenn ich sie tatsächlich live sehen würde: Wie in einem Traum, fast unwirklich.
Am DC steht der Neumond, eine sehr starke Begegnungsauslösung. Er steht auch im Quadrat zur Sonne meines Viertelcombines, die Herrscherin von 7, also die Kabarettistin. Und das Quadrat ist ein starker Geburtsaspekt, also sieht doch alles vielversprechend aus? Wer würde dem widersprechen?
So, frischen Mutes und Optimismus, gestärkt durch die Aussagekraft der Sterne, schrieb ich eine Mail an das Kartenbüro, um mich für die Warteliste eintragen zu lassen.
Das war die Antwort:
Hallo Ouranos,
herzlichen Dank für deinen Artikel. Gut geschrieben, verständlich und leichtfüssig formuliert.
Dein letzter Satz regt mich an, nachzusehen, was ich bisher über den radikalen Konstruktivismus geschrieben habe. Falls es blogtauglich ist, werde ich es veröffentlichen. Bezüge zur Astrologie wären allerdings rein zufällig.
Mittlerweile bin ich mir sicher, dass Astrologie kein Blödsinn ist. Denn ich rate die Sternzeichen (selbst für Merkur) der Leute (teilweise innerhalb von Minuten) öfter richtig als falsch. Die Quote steht bei 17 zu 7.
Die Frage bleibt, ob Vorhersagen richtig sind. Wenn eine Vorhersage deutet, “es wird etwas schlimmes passieren”, dann kann das allerlei bedeuten.
Du hast geschrieben, “Dazu der Neptun, der das ganze zu einem Traum macht.” Eine Irreführung bzw. Verführung könnte es auch sein.
Wie Rita nach dem Studieren von Karma-Astrologie Stellung bezogen hat, würde ich auch bei Vorhersagen vorsichtig sein. Entweder die Audienz um Toleranz bitten, 99,9% Expert werden, oder es ganz lassen. Ach Gott, wieso ist Astrologie so ein schwieriger Fall?
Hallo Simin,
Ich bin mir auch sicher, dass Astrologie funktioniert, und manchmal gibt es Momente, da kommt ich dann doch ein wenig ins Zweifeln.
Ja, das mit dem Neptun als Irreführung, das habe ich so nicht gesehen, danke
Mit den Prognosen ist es halt so eine Sache. Aber Fehlschläge entmutigen mich nicht, ich lerne ja dazu. Die Wetterberichte mit ihren modernen wissenschaftlichen Techniken sind auch oft nicht viel besser, als die Astrologen, also dürfe wir uns auch Fehler erlauben, denke ich. Ich weiß nicht wieso, aber jeder stellt den Anspruch an die Astrologie (oder besser gesagt an den Astrologen), dass alle Prognosen ins Schwarze treffen. Und tut’s das einmal nicht, dann ist die Astrologie gleich Blödsinn und man hat es immer gewusst. Doch wenn der Wetterbericht das Wetter innerhalb einer Woche nicht genau vorraussagen kann, käme niemand auf die Idee, die Wetterforschung für unseriös zu erklären.
Das finde ich halt ungerecht, dass die Astrologen beim Thema Prognose viel härter in die Mangel genommen werden, als andere Forscher.
LG
Hallo Ouranos,
ich habe bestimmt nicht so viel Fachkenntnisse wie Du. Das mit der Irreführung habe ich von Englischen Artikeln, wo “misguide” im Zusammenhang mit Neptun verwendet wurde.
Du hast recht. Die ablehnende Haltung gegen Astrologie solange diese als Wissenschaft nicht anerkannt ist, führt dazu, schneller auf die falschen Prognosen zu zeigen. Dazu gibt es viel zu viele vulgäre Zeitschriftenhoroskope.
Faktoren gibt es viele, unabhängig von Vielfalt der Methoden (wie Du in Deinem Artikel erwähnt hast). Wenn künstliche Intelligenz fortgeschritten ist und der Astrologie wisschaftliche Achtung geschenkt wird, in Zukunft, können Vorhersagen mit Gewichtung der Faktoren uns besser zufrieden stellen. Es kann aber kaum um konkrete Ereignisse gehen als um Tendenzen und grobe Richtungen. Sprich, “es wird etwas schlimmes passieren”.
Bis dahin brauchen wir die Erfahrungen mit diesen Methoden und Gremien, die gut und weniger gut von einander trennen. Sonst womit soll die Zukunftsmaschine trainiert werden?
Nun in Abwesenheit der Fachkenntnissen der Methoden und Schulen beobachte ich öfter die Transite und berücksichtige ihren Einfluss auf meinen Tagesablauf. Herrschen günstige Aspekte, freue ich mich doppelt. Herrschen Quadrate, bin ich vorsichtig. Ich profitiere auf jeden Fall von meinem astrologischen Mindestwissen.
Solche, die Kenntnisse besitzen, haben natürlich die Bürde der Wahl der Methode, Aspekte, Winkel und Zusammenhänge. Das ist wieso die Fachleute gerne Meinung tauschen wollen und von einander lernen wollen. Das bringt verschiedene Astroforen mit sich. Und diese brauchen wir auf jeden Fall. Für die Zukunft.
Schönen Gruss,
Simin