Das 12. Haus
Freitag 6. November 2009 von GreenTara
Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich vielen sattsam bekannten Beschreibungen des 12. Hauses wie Rückzug, geheime Feinde, Träume etc. zugestimmt. Mittlerweile meine ich, dass das 12. Haus gar nicht so geheimnisvoll und unwirklich ist. Es ist nur dann unwirklich, wenn man es von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, mit einem bestimmten Bewusstsein, einer bestimmten Richtung der Aufmerksamkeit.
Das 12. Haus ist das Haus, durch das alle Planeten zuerst laufen, vom AC aus betrachtet. Das heißt für mich, dass das, was zunächst völlig instinktiv ist (Haus 1 bzw. AC), sich zu entwickeln, zu formen beginnt. Eine Entsprechung dieser Formung ist die Entwicklung im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt. Dieser Zustand ist mehr oder weniger „paradiesisch“, ungetrennt, alles wird als Einheit begriffen, erlebt, gefühlt. Und zu diesem Zustand, in dieses Paradies möchte man zurück. Aus der Haltung des gewöhnlichen Bewusstseins heraus erscheint diese Allverbundenheit mystisch, schwer erreichbar, kaum erklärlich. Das „gewöhnliche Bewusstsein“ wird etwa von Richard Moss als das Bewusstsein des Ersten Wunders beschrieben. Dieses Bewusstsein ist ein Wunder, denn die Natur selbst hat in einem langen Prozess eine Lebensform geschaffen, die ein Bewusstsein ihrer selbst hat. Aus diesem Bewusstsein heraus geschieht zwangsläufig eine Trennung in Objekt und Subjekt: Ich hier und da die Anderen. Aus der Ichhaftigkeit heraus entsteht Leid, denn das Ich ist so fragil, dass es geschützt werden soll. Angst um dieses instabile Ich lässt unter anderem Abwehrmechanismen entstehen. Diese Schutzmechanismen verstärken das Empfinden des Getrenntseins, und so wird der paradiesische Zustand der vermeintlichen Leidfreiheit gesucht (12. Haus).
Das Bewusstsein des Zweiten Wunders empfindet sich nicht mehr als getrennt. Das Erste Wunder ist Voraussetzung dieses erneuten Wunders, und es ist Zeuge hierfür. Im Bewusstsein des Zweiten Wunders “wird man wie die Kinder”, erlebt sich ungetrennt vom Geschehen, vom Leben. Man ist also in diesen Zuständen, in denen das Ich mit dem Tun, mit dem Erleben verschmilzt, im „Paradies“, im 12. Haus. Und daran ist nichts Mystisches, Geheimnisvolles. Jede Tätigkeit ist geeignet, einen in diesen Zustand zu versetzen. Das kann ein Tanz sein, eine Abfahrt mit den Skiern, die Hingabe beim Malen eines Bildes. Es wird keine Trennung mehr empfunden, man ist völlig eins mit sich und seinem Tun.
Das Zweite Wunder ist im Grunde genommen nichts weiter als eine Verlagerung der Aufmerksamkeit. Wer aber meint, diese Zustände noch nie erlebt zu haben, in denen man völlig „verschmilzt“, dem scheinen diese Zustände kaum erreichbar und „unbeschreiblich“. Dabei ist es eine andere Form der Präsenz. Im 12. Haus sieht man die Dinge, wie sie sind (auf tibetisch heißt das „Chö“, im Sanskrit „Dharma“). Ungeschminkt, ungefiltert, ohne Urteile, ohne Konzepte. Es ist der volle Kontakt zu dem, was ist, zum Leben an sich.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 6. November 2009 um 22:18 und abgelegt unter Astrologie. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Dienstag 16. März 2010 um 19:33
“Völlig eins mit sich und seinem Tun”: Gratulation zu diesem wunderschönen Artikel … deshalb weil er so einfach die Trance, das Verschmelzen als etwas beschreibt, wozu man kein Guru oder Mystiker sein muss.
Gruß Gerhard
Montag 6. Juni 2011 um 23:07
Wunderbarer Ansatz. Ich habe ein eingeschlossenes 12. Fische Haus. Sonne im Fisch und Mond im Widder im 12. Haus und zur Zeit folgende Transite: Neptun auf der Sonne, Uranus auf dem Mond, Pluto nähert sich dem MC und Saturn macht grade ein Quadrat zum Mars am MC/in 10. Es ist also ordentlich was geboten. Und ich erlebe es als sehr transformatorisch, spirituell angeschlossen und beschäftige mich mir “Erdung”, neben allem möglichen anderen wunderbaren Themen der Transformation und Metamorphose. Arbeite seit Wochen an einer “Erklärung” für die Erlebnisse unter dem exakten Uranus/Mond Transit was möglicherweise wegen des 12. Hauses nicht so einfach ist. Der Uranus wird ja noch mal rückläufig mal sehen was dann passiert. Auf alle Fälle hatte ich einen inneren Umzug, bzw. habe mein Mond Tiefseezuhause verloren. Emotionales Erdbeben, Tsunami und ü b e r l e b t. Das ist noch etwas irritierend in der neuen Umgebung