Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1970 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.
<img src=”http://www.astro-motion.de/wp-content/uploads/2010/04/Chiron-Foto-Bachmann-150×150.jpg” alt=”Bildquelle: http://www.amazon.de/Die-Chiron-Fibel-Verena-Bachmann/dp/3907029801/ref=pd_sim_b_3″ width=”150″ height=”150″ />
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Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).
Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.
Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher <strong>fragmentarisch</strong>.
Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1977 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.

Bildquelle: www.amazon.de: Die Chiron-Fibel, V. Bachmann
Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).
Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.
Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher fragmentarisch.