Jupiter Quinkunx MC
1. Mai 2010 von Gerhard Miller
Unsere Reise mit dem Quinkunx geht weiter. Wir erreichen den großen Gasplaneten Jupiter und verbinden ihn astrologisch mit der Himmelsmitte, genannt Medium Coeli. Es geht um die Entfaltung der in uns angelegten Möglichkeiten – und diese Wachstumschancen richten wir auf unsere Ziele; sie werden Teil unserer Ambitionen.
Die Grundbedeutung des obigen Aspektes lautet, dass der Wunsch nach Erfüllung, Aufschwung und Wohlstand unehrlich motiviert ist oder halbherzig verfolgt wird. Manchmal gilt beides. Menschen mit diesem Quinkunx in der Radix sind anfällig dafür, liebend gerne Wind um das zu machen, was sie vorhaben, gehen aber rasch über die Möglichkeit hinweg, dass ihre Pläne eine Nummer zu groß für sie sein könnten.
Wir Astromediziner wissen, dass der Aspekt bei Patienten mit Vorfällen ihrer Bandscheibe sowie bei Bronchialasthma gehäuft vorkommt. Außerdem ist es eine klinische Erfahrung, dass ein Bandscheibenvorfall (medizinisch: Diskusprolaps) durchaus auch dann auftritt, wenn die betroffene Person nicht einmal besonders viel gestemmt hat. Er tritt m. E. auch dann auf, wenn der Patient hoch hinaus wollte, aber in der entscheidenden Situation kneift, weil ihn die Dimension seines großen Plans auf einmal ängstigt. Da er aber nicht eingestehen kann, dass er für den ganz großen Wurf zu klein ist, übernimmt er sich unbewusst genau an der Stelle, die es erfordert hätte, etwas Bahnbrechendes zu vollbringen.

Der bandscheibenkranke Himmelsstürmer hat also zuerst seine faszinierten Zuhörer mit seinen Visionen für sich eingenommen und vollmundig angekündigt, »die große Kuh fliegen zu lassen«, aber es fehlte ihm auf halber Strecke der Mut, für etwas wirklich Großes auch alles zu geben. Genau zu dem Zeitpunkt, als er auf der Startbahn steht, um seinen Wolkenkratzer anzufliegen, versagt seine Wirbelsäule. Der Prolaps hilft ihm aus der Patsche, denn er braucht jetzt keine Ausrede mehr für seine plötzliche Angst. Ähnliches gilt für Asthma bronchiale. Die typische Schwierigkeit, auszuatmen zeigt einen Patienten, der offensichtlich den Mund zu voll genommen hat: »Denen da oben werden wir es zeigen«, meint er in seiner Begeisterung für Triumphe. Das erinnert mich an den legendären Che Guevara, der Asthmatiker war und im letzten Abschnitt seines Lebens völlig den Blick für die politische Realität verlor.
Jupiter hilft uns im Karneval, Fasching oder Helloween, eine Rolle zu spielen, die wir realistisch betrachtet nie ausfüllen könnten. Wir dürfen uns endlich einmal ungefährdet anmaßend verhalten: Wir dürfen Captain Kirk sein. Er lässt die Dinge beschwingt aussehen. Ich erinnere mich daran, wie Woody Allen in »The Purple Rose of Cairo« die Scheinwelt Hollywoods bissig aufs Korn nahm. Er ließ ein stehendes Auto filmen, während die Leinwand hinter ihm davon raste und er zeigte einen Schauspieler, der in einem Restaurant mit Spielgeld bezahlen wollte. Das ist der wunderbare und hochfliegende Zauber Jupiters, der in Kombination mit dem Quinkunx vor allem als Bluff zum Ausdruck kommt. Jupiter und die Himmelsmitte haben den Schlüsselbegriff »oben« gemeinsam: Diesen Menschen drängt es nach oben, gesellschaftlich oder auch ins Universum und die Mitmenschen amüsieren sich über diesen Hobbyastronauten oder Schauspieler mit seinen hochfliegenden Plänen, von denen er viele auf halben Wege klammheimlich in einem Wurmloch entsorgt, wenn er sich in einem ehrlichen Moment seiner winzigen Existenz bewusst wird.