ASTROeMOTION

Wie am Himmel, so auf Erden – Leben ist Bewegung

33 Jahre Chiron – Eine Bestandsaufnahme

Freitag 16. April 2010 von Gerhard Miller

Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1970 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.
<img src=”http://www.astro-motion.de/wp-content/uploads/2010/04/Chiron-Foto-Bachmann-150×150.jpg” alt=”Bildquelle: http://www.amazon.de/Die-Chiron-Fibel-Verena-Bachmann/dp/3907029801/ref=pd_sim_b_3″ width=”150″ height=”150″ />

Bildquelle: www.amazon.de/Die-Chiron-Fibel-Verena-Bachmann/dp/3907029801/ref=pd_sim_b_3

Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).
Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.
Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher <strong>fragmentarisch</strong>.

Der Planetoid Chiron, welcher die Sonne auf einer Bahn zwischen Saturn und Uranus umkreist, wurde 1977 entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kleinplaneten hat er sich in der astrologischen Gemeinde durchgesetzt. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit Interpretationen seiner Zeichen- und Häuserstellungen. Doch während zu Beginn der Forschungen die griechische Mythologie dieses verletzten Heilers in Gestalt eines Pferdemenschen bei allen Beteiligten noch eine Rolle spielte, wird Chiron zunehmend weich gespült, vereinseitigt und seiner animalischen Seite beraubt. Außerdem ist fest zu stellen, dass die zeitlebens vorhandene Verletzung publizistisch unterdrückt wird zugunsten eines Verständnisses, eine solche Wunde sei dennoch irgendwie heilbar. Ich wende mich gegen solche Verbiegungen, die in Büchern auftauchen, wenn Ratschläge erteilt werden, wie Chiron in welchem Haus „heilbar sei“. Ich möchte einen Vergleich aus der Fantasy-Literatur erwähnen. Tolkien erfindet die Figur des Frodo in »Der Herr der Ringe«. Seine Wunde, die er durch den Fürsten der Schwarzen Reiter zugefügt bekommt, ist zwar dank der gesund pflegenden Künste des Elbenkönigs Elrond stumm, aber sie heilt nicht, sie bleibt latent vorhanden.

chiron

Bildquelle: www.amazon.de: Die Chiron-Fibel, V. Bachmann

Ebenso wird häufig die halb-animalische Seite dieser mythologischen Figur ausgespart, die offenbar weder attraktiv noch verständlich ist. Die Chironen erschienen in der griechischen Mythologie ohne Einladung auf Hochzeitsfesten, fraßen sich durch das Büffet, pöbelten die Gäste an und belästigten die Braut – bis der Hausherr genug hatte und sie über den Hof jagte oder gar erschoss. Chiron deshalb als Gesundpfleger ausschließlich der züchtigen Jungfrau zuzuordnen, halte ich für ein Wunschdenken. Ich habe den Verdacht, dass nach der Darstellung der wilden Lilith nun ein freundlicher männlicher Heiler in der astrologischen Mainstream-Szene gebraucht wird, dem aber die triebhafte Seite abgesprochen wird. Wie scheußlich diese Seite sein kann zeigt das aktuelle Dauerthema des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen. Ich meine in diesem Zusammenhang jene kirchlichen Seelsorger, die sich als Heiler verstehen, aber deren Unterkörper triebhaft ist. So kommt es trotz Beteuerungen guter Absichten zu sexuellen Übergriffen („Gott wird mich schon heilen, wenn ich einmal Priester bin“). Träume sind auch sehr aufschlussreiche Hinweise. In der Homöopathie gibt es die Arznei Plutonium nitricum, über die folgendes berichtet wird: „Ich träumte ich sei halb Mensch und halb Tier“ (zitiert nach Harry van der Zee: Die Geburt – Eine Reise durch die Miasmen, S. 125).

Trotz schöner Forschungsergebnisse bleibt Chiron den Beweis eines Ur-Prinzips schuldig. Kein Chiron-Autor hat mich bisher überzeugt, dass Chiron in einer Radix den Rang von beispielsweise Saturn oder Uranus inne hätte. Bis ich genügend Anhaltspunkte gefunden habe für eine Hochstufung behandle ich ihn wie eine Impulsqualität – wie ein Tierkreiszeichen.

Chirons Symbol ist der Schlüssel. Er hat für mich eine Schlüsselposition beim schamanischen Heilen. Die schwerwiegendste Diagnose eines Schamanen ist der Seelenverlust. Was die Indianer-Schamanen Nordamerikas als »soul piece« bezeichnen übersetze ich mit »Seelen-Bruchstück«. Dieser Begriff gründet auf einem Seelenkonzept, das den unsichtbaren Teil unseres Wesens als anfällig für Verlust versteht, zum Beispiel nach Traumatisierungen. Die Haus-Stellung Chirons zeigt nach meiner Ansicht, in welchem Lebensbereich wir fehlende Seelenteile oder Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels konfrontieren müssen, dessen Teile wir nicht mehr alle finden werden. Bei Chiron geht es m. E. darum, zu akzeptieren, dass das Bild zwar besser erkennbar, jedoch nie vollständig werden wird. Mein Schlüsselbegriff für Chiron ist daher fragmentarisch.

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Neptun – Wahrheit und Illusion

Sonntag 7. Februar 2010 von Ouranos

Neptun ist ein Planet, der vielen Menschen Problemen macht, da er sie verunsichert und aus dem Konzept bringt. Oft sind wir viel zu sehr im Alltagsgeschehen involviert, sind von den visuellen Eindrücken unserer Zeit überfordert. Wir haben nicht mehr die Zeit, alles in Ruhe zu verarbeiten, einmal Abstand zu nehmen und die Zeit einfach vorbeiziehen zu lassen.

Durch den ständigen Druck distanzieren wir uns immer mehr von uns selbst, werden blind für die Stille und die Tiefe, die sich in uns befindet, werden abgestumpft. Ist dem so, dann erleben wir Neptun als Irritation, als Irrlicht. Wir haben den Zugang zur intuitiven Erkenntnis verloren. Seine Transite können uns verwirren, doch die Verwirrung zeigt nur, dass wir in dem betroffenen Bereich zu lange nicht nach der Wahrheit gelebt haben.

Wenn wir uns schließlich auf die Suche nach der verlorenen Wahrheit  begeben, werden wir oft gegen Wände laufen und umkehren müssen. Uns scheint die Welt wie verhext, ungreifbar. Die suche nach der Wahrheit geht notwendigerweise mit vielen Irrtümern einher. Jedoch ist es in dieser Phase nicht ratsam, sich allzu strenge Konzepte zu machen und Rahmen festzulegen. Je mehr wir in den Gewässern strampeln, in denen wir stehen, desto mehr Wellen werfen wir auf und wir sehen nicht zum Grund. Innehalten, in sich hineinhören und Stille walten lassen sind die Mittel, mit denen man den Transiten Neptuns konstrukiv begegnen kann.

Bezogen auf die heutige Zeit ist es besonders schwer, die Stille Neptuns zuzulassen. Man kann es sich kaum leisten, loszulassen, die Dinge gehen zu lassen, da sich die Probleme dadurch nur noch zu vermehren scheinen, da einem sonst der Alltag erst recht über den Kopf wächst. Doch es hilft, nach Möglichkeit ruhig zu bleiben, nicht dauernd in den Terminkalender zu spicken und ständig nach einer Aufgabe zu suchen. Die Erkenntnis kommt mit der Zeit, und die ist geduldig.

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Karma-Astrologie Part II

Sonntag 24. Januar 2010 von GreenTara

Kommen wir zur Begriffsklärung, die in Karma-Astrologie Part I etwas kurz gekommen ist.

Wörtlich übersetzt bedeutet Karma Tat/Handlung. Kurz angerissen wurde auch die Bedeutung der Motivation von Handlungen für das Karma. Verkürzt könnte man sagen, dass sich im Karma die Konsequenzen der eigenen Taten ausdrücken bzw. die Tatsache, dass es so etwas wie Karma gibt, diese erst hervorbringen. Es lohnt sich, das genauer zu betrachten und daraus dann Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit einer Astrologie zu ziehen, die vorgibt, Taten aus vergangenen Leben erkennen zu können.

Nehmen wir an, jemand ist eher ängstlicher Natur und sorgt sich vor allem darum, was andere über ihn denken. Er tut dann unter Umständen vieles, um gemocht zu werden, gut dazustehen, er beäugt sich selbst kritisch und spricht innerlich viele Urteile über sich. Das hat zur Folge, dass er sich nicht vollwertig wähnt und im Laufe der Jahre gewöhnt er sich daran, seine Taten etwas auszuschmücken, um sie aufzuwerten. Er schwindelt also ein bisschen.

Doch früher oder später wird das kompliziert, weil man sich ja merken muss, was man wem an aufgerüschten Geschichten erzählt hat. So wird man entweder sehr wortkarg, um sich nicht zu verplappern oder aber erzählt sich und anderen Geschichten, die mehr oder weniger identisch sind. Oder man erfindet neue Geschichten, um zu kaschieren, dass man schon vorher bissel geschwindelt hat. Und so zieht derjenige das Netz um sich selbst immer fester und enger, verliert den Bezug zu den tatsächlichen Geschehnissen und lebt in einer erzählten und gedachten Welt. Das ist die Auswirkung, die Folge. Die Saat war die Angst und Sorge, nicht gut angesehen zu sein und sich daher ein wenig aufzuwerten. Als heutige Folge ist da die Sorge, enttarnt zu werden. Das Denken und das Handeln werden davon bestimmt.

Ändern kann man das Gewesene nicht. Was man tun kann, ist erkennen und dann neue Wege beschreiten. Das erfordert Mut und vor allem Übung in der ungewohnten Sicht- und Handlungsweise. Als weniger hilfreich hat sich in vielen Fällen erwiesen, weiterhin im Kreislauf der Urteile über sich selbst zu verharren, gedanklich bei Dingen zu bleiben, an denen nichts mehr zu ändern ist.

Das Gute an dieser „Diagnose“: So etwas hat man erlebt, es ist einem nahe. Man weiß, dass man geschwindelt hat, man kennt die Folgen und kann lernen, ohne diese Verschönerungen auszukommen. Man kann aber natürlich auch zum Karma-Astrologen gehen, der konstatiert, dass man einen rückläufigen Merkur in Konjunktion zum rückläufigen Neptun in Haus 3 und schon in vielen Leben Nachbarn und Geschwister beschwindelt hat.

Da kann man dann vermutlich nur noch einen Drehschwindel bekommen… Denn überprüfbar ist eine solche Aussage nicht. Eher zementiert sie das bisherige Verhalten als etwas Schicksalhaftes oder esoterisch-moderner ausgedrückt als „karmisch“ Bedingtes. Ob das hilft, Konditionierungen zu erkennen, sei dahingestellt. Zudem wird meines Wissens nie erwähnt, dass Karma Umstände „braucht“, unter denen es zur „Reife“ gelangt. Gibt es diese Umstände nicht, dann braucht man sich den Kopf über den rückläufigen Merkur in Konjunktion zum Neptun in Haus 3 oder nicht vorhandene Geschwister auch nicht zu zerbrechen.

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Karma-Astrologie Part I

Samstag 14. November 2009 von GreenTara

Nein, nein, das wird keine Einführung in die Karma-Astrologie. (Falls Sie eine solche suchen, bemühen Sie bitte Google oder Bing erneut.) Ich verstehe aber, dass das Thema Sie fasziniert. Es klingt so bedeutsam, so mystisch, so geheimnisvoll – und so viel versprechend. Sollten Sie dennoch weiterlesen wollen, rechnen Sie mit einer gelinden Ernüchterung.

Mir liegen drei Bücher vor, die sich mit Karma-Astrologie beschäftigen, zwei davon im Sinne einer Einführung mit vielen Beispielen und Textbausteinen der karmischen Bedeutungen von Konstellationen. Das dritte ist eine Zusammenfassung mehrerer Seminare, in denen es hauptsächlich um die Bedeutung der rückläufigen Planeten geht. Bei Buch Nr. 1 und Nr. 2 stellen sich mir die Haare auf. Da finden sich Aussagen wie:

Der Horoskopeigner nutzte in früheren Zivilisationen kosmische oder irdische Energie, um fortschrittliche technologische Neuerungen zu realisieren (rückläufiger Uranus in Wassermann).

Oder:

Die Geschwister des Horoskopeigners hatten in seinen früheren Leben große Schwierigkeiten, mit seiner Ungeduld ihren Wissensfortschritten gegenüber fertig zu werden (rückläufiger Uranus im 3. Haus).

Beides ist in keinster Weise belegbar oder überprüfbar, abgesehen davon, dass nicht näher erläutert wird, was man unter kosmischer Energie zu verstehen hat oder was der Horoskopeigner daraus für seinen Umgang mit aktuell nicht vorhandenen Geschwistern lernen kann. Ähnliche Deutungen ziehen sich durch sämtlich Kapitel der beiden Bücher. Der Leser, der versucht, die Materie ernst zu nehmen, wird sich nach einer Weile fragen, ob er denn wirklich so ein ungeratenes Subjekt ist und sich schlimmstenfalls die Kugel geben wollen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, so etwas liest man in einschlägigen Foren nicht selten.

Beschäftigen wir uns aber zunächst mit einem kleinen Beispiel.

Ein Mann bringt einen anderen mittels eines Schneidwerkzeuges ums Leben.

Was bedeutet diese Tat für sein Karma?

Jemandem das Leben zu nehmen, ist wohl eher nicht so förderlich. Allerdings kommt es auf die Umstände und vor allem auf das Motiv der Handlung, der Tat (wörtliche Bedeutung von Karma: Tat, Handlung). Wenn ein Chirurg beherzt sein Skalpell ergreift, um jemanden vielleicht doch noch mit einer Notoperation zu retten, so ist das etwas anderes als ein Mord.

Gehen wir einen Schritt weiter: Beide, der Chirurg und der Mörder weisen ähnliche Konstellationen im Horoskop auf, zum Beispiel einen rückläufigen Mars in Skorpion. Wie will ein Astrologe wissen können, ob derjenige nun womöglich Arzt oder Mörder war, um dann im Brustton der Überzeugung zu äußern, dass man in früheren Leben ein gewalttätiger Mensch gewesen sei und dieses Karma nun abzubüßen hätte? Was macht ein Kunde mit so einer Aussage? (Bestenfalls zeigt er dem Astrologen einen Vogel oder lacht schallend, aber die Absurdität solcher Aussagen muss ja zunächst durchschaut sein, was in bestimmten, zu solchen Astrologen treibenden Situationen nicht immer leicht fällt.) Was hilft dieses „Wissen“, was nützt es bei der Bewältigung von Problemen oder auf der Suche nach Lösungen? Bestenfalls kann eine Akzeptanz des eigenen Soseins die Folge einer solchen Beratung sein, eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Da aber der direkte Bezug zum damaligen Erleben fehlt, scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mehr als große Knoten im Kopf die Folge sind. Was ja Anlass sein kann, sich zu fragen, wie man auf die Idee kam, etwas über sein Karma erfahren zu wollen. Ganz allgemein dürfte dieser Kommentar es wohl eher treffen:

Ist doch schön: dass es einem jetzt so schlecht geht, lag daran, dass man iiiiiiirgendwann mal ein ganz schlechter Mensch war. Der man heute allerselbstverständlichst nicht mehr ist. Also braucht man an sich auch nichts mehr zu arbeiten, weil man ja sowieso nur noch die alte Strafe absitzt undA danach dann wahrscheinlich erleuchtet ist.

Falls Sie das Lesen des bisherigen Textes nicht ermüdet oder gelangweilt hat, freuen Sie sich auf Karma-Astrologie Part II demnächst hier in diesem Blog.

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Das 12. Haus

Freitag 6. November 2009 von GreenTara

Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich vielen sattsam bekannten Beschreibungen des 12. Hauses wie Rückzug, geheime Feinde, Träume etc. zugestimmt. Mittlerweile meine ich, dass das 12. Haus gar nicht so geheimnisvoll und unwirklich ist. Es ist nur dann unwirklich, wenn man es von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, mit einem bestimmten Bewusstsein, einer bestimmten Richtung der Aufmerksamkeit.

Das 12. Haus ist das Haus, durch das alle Planeten zuerst laufen, vom AC aus betrachtet. Das heißt für mich, dass das, was zunächst völlig instinktiv ist (Haus 1 bzw. AC), sich zu entwickeln, zu formen beginnt. Eine Entsprechung dieser Formung ist die Entwicklung im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt. Dieser Zustand ist mehr oder weniger „paradiesisch“, ungetrennt, alles wird als Einheit begriffen, erlebt, gefühlt. Und zu diesem Zustand, in dieses Paradies möchte man zurück. Aus der Haltung des gewöhnlichen Bewusstseins heraus erscheint diese Allverbundenheit mystisch, schwer erreichbar, kaum erklärlich. Das „gewöhnliche Bewusstsein“ wird etwa von Richard Moss als das Bewusstsein des Ersten Wunders beschrieben. Dieses Bewusstsein ist ein Wunder, denn die Natur selbst hat in einem langen Prozess eine Lebensform geschaffen, die ein Bewusstsein ihrer selbst hat. Aus diesem Bewusstsein heraus geschieht zwangsläufig eine Trennung in Objekt und Subjekt: Ich hier und da die Anderen. Aus der Ichhaftigkeit heraus entsteht Leid, denn das Ich ist so fragil, dass es geschützt werden soll. Angst um dieses instabile Ich lässt unter anderem Abwehrmechanismen entstehen. Diese Schutzmechanismen verstärken das Empfinden des Getrenntseins, und so wird der paradiesische Zustand der vermeintlichen Leidfreiheit gesucht (12. Haus).

Das Bewusstsein des Zweiten Wunders empfindet sich nicht mehr als getrennt. Das Erste Wunder ist Voraussetzung dieses erneuten Wunders, und es ist Zeuge hierfür. Im Bewusstsein des Zweiten Wunders “wird man wie die Kinder”, erlebt sich ungetrennt vom Geschehen, vom Leben. Man ist also in diesen Zuständen, in denen das Ich mit dem Tun, mit dem Erleben verschmilzt, im „Paradies“, im 12. Haus. Und daran ist nichts Mystisches, Geheimnisvolles. Jede Tätigkeit ist geeignet, einen in diesen Zustand zu versetzen. Das kann ein Tanz sein, eine Abfahrt mit den Skiern, die Hingabe beim Malen eines Bildes. Es wird keine Trennung mehr empfunden, man ist völlig eins mit sich und seinem Tun.

Das Zweite Wunder ist im Grunde genommen nichts weiter als eine Verlagerung der Aufmerksamkeit. Wer aber meint, diese Zustände noch nie erlebt zu haben, in denen man völlig „verschmilzt“, dem scheinen diese Zustände kaum erreichbar und „unbeschreiblich“. Dabei ist es eine andere Form der Präsenz. Im 12. Haus sieht man die Dinge, wie sie sind (auf tibetisch heißt das „Chö“, im Sanskrit „Dharma“). Ungeschminkt, ungefiltert, ohne Urteile, ohne Konzepte. Es ist der volle Kontakt zu dem, was ist, zum Leben an sich.

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Friedensnobelpreis für Barack Obama

Freitag 9. Oktober 2009 von Ouranos

Barack Obama fasziniert gekonnt die Massen und versteht es, die Menschen mit seinem Idealismus und seinen Visionen zu faszinieren. Jedoch ist es nicht nur das, es sind auch seine konkreten Handlungen, die völlig im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush stehen und ihm das Image eines Verbesserers verschaffen (aktuell nehmen seine Popularitätswerte in den USA jedoch ab, was mich persönlich verwundert. Vielleicht haben sie entdeckt, dass auch er ein Mensch ist?)

Am 9. Oktober 2009 wurde nun verkündet, dass Obama den Friedensnobelpreis erhalten wird. Dessen Übergabe wird am 10. Dezember 2009 in Oslo stattfinden

Um dieses Ereignis astrologisch näher zu beleuchten, habe ich Obamas Radix mit der Transitdirektion des Jupiterbogens untersucht, der Herrscher des 10./11. Hauses ist und somit für seine Bedeutsamkeit und Position in der Gesellschaft zuständig ist. Überdies steht er noch in Haus 12, ist also für den ganzen IV. Quadranten zuständig

Ich möchte an diesem Punkt vorausschicken, dass ich eine korrigierte Geburtszeit verwende, nämlich 5 Minuten nach der offiziellen Angabe. Roland Gross (http://www.roland-gross.eu/), ein Astrokollege von mir, positionierte das MC auf 0° Schütze und ich halte das ebenfalls für richtig, und warum, das wird sich gleich zeigen:

Betrachtet man nun die Transitdirektion nach dem Jupiterbogen für den 10. Dezember 2009, so steht der dirigierte Neptun genau am MC. Somit ist die Korrektur von Roland Gross als richtig anzunehmen.

Der Jupiter selbst steht im Transit als Herrscher von Haus 10 (und 11) in Haus 1. Roscher schreibt dazu „Zur Bedeutsamkeit geboren“. Da es sich hier um einen Transit handelt, muss man das hier als Zeitphase deuten. Somit wird als schon mal nur durch die allgemeinen Transite das Thema angezeigt, gesellschaftlich aufzusteigen und bedeutsam zu werden.

Der T-Jupiter steht auch noch in Konjunktion mit T-Neptun, Jupiter/Neptun, die Idealisierungs- und Glorifizierungskonstellation schlechthin. Im Radix von Obama zeigt sich Jupiter/Neptun über den Radix-Neptun in 9, der ihn in der Öffentlichkeit mit seinen Visionen glänzen lässt.

T-Neptun (mit T-Jupiter) steht in Opposition zum Radix-Uranus, Uranus/Neptun. Uranus/Neptun hat Obama über die 19° Wassermann am AC (Uranus/Neptun-Grad), und Uranus/Neptun entspricht nach Roscher dem Zustand „Wunder werden wahr“. Die Menschen können in ihm nun wieder einmal den Weltverbesserer sehen.

Der dirigierte Neptun am MC sticht am deutlichsten heraus. Neptun am MC bedeutet, die Öffentlichkeit durch ungreibare Ausstrahlung in seinen Bann zu ziehen, in der Gesellschaft den Status eines Selbstlosen und Selbstaufopfernden zu erreichen und zu einer idealisierten Heiligenfigur zu werden, so wie es Lady Diana mit ihrem Neptun in 10 ja war. Was würde von der Analogie her besser zu einer Friedensnobelpreisverleihung passen, als ein Neptun genau am MC?

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Schmerz und Leid im Quadrat

Sonntag 27. September 2009 von GreenTara

Die meisten Anfragen an jemanden, der sich astrologisch betätigt, sind aus einer Situation heraus gestellt, in der es dem oder der Fragenden nicht sonderlich gut geht. Nicht selten geht es um die Frage: „Wie lange noch?“ oder „Warum muss ich so leiden?“

Ich meine, es lohnt sich, zwischen Schmerz und Leid zu differenzieren. Schmerz – körperlich und seelisch – lässt sich nicht vermeiden. Was vermindert werden kann, ist das Leiden am Schmerz. Gerade um das Leiden und das Ende des Leidens geht es in den Vier Edlen Wahrheiten Buddhas. Wer diese studiert, durchdenkt, vielleicht auch darüber meditiert, wird nach und nach erkennen, was Leid verursacht.

Körperlicher und seelischer Schmerz können sich nur im I. und II. Quadranten ereignen. Das Leiden hingegen, nämlich die geistige oder gedankliche Bindung oder „Anhaftung“ an das schmerzliche Geschehen, an die schmerzliche Erfahrung, kann sich nur um mentalen, dem III. Quadranten abspielen. So wird sich im 8. Haus das Leid „konkretisieren“, zum Beispiel aufgrund einer Idealvorstellung. Weicht ein reales Erleben stark von dieser Vorstellung ab, so wird das Leid am schmerzlichen Ereignis ebenfalls groß sein – vor allem dann, wenn man sich darauf fixiert, dass das Leben gefälligst schmerzfrei zu sein habe.

Im 9. Haus zeigt man sein Leid in seinem sozialen Umfeld, im 3. Haus würde man die körperlichen Auswirkungen zu sehen bekommen (etwa das gebrochene Bein in Form des Gipsverbandes). Allerdings lässt nur der Gipsverband keine Rückschlüsse darauf zu, wie stark der Träger tatsächlich an der Fraktur leidet. Im Kollegenkreis hingegen, bei den Nachbarn, bei Freunden, wird dies offenbart (Haus 9). Vielleicht humpelt man dann besonders stark oder gibt sich betont tapfer. Vielleicht zeigt jemand Gleichmut.

Schon seit einiger Zeit bewegt mich die Frage, weshalb nicht wenige Menschen sich schwer damit tun, seelischen Schmerz „loszulassen“. Schneidet sich jemand in den Finger, so wird er meist die Wunde versorgen, eventuell einige Tage lang leise vor sich hinfluchen, wenn er gegen die Wunde stößt und das alles spätestens dann vergessen, wenn die Wunde abgeheilt ist. Seelische Schmerzen hingegen werden nicht selten ständig wiedergekäut, bei manchen habe ich gar den Eindruck, als fänden sie eine Art Befriedigung daran, sich wieder und wieder an den Schmerz, die Verletzung zu erinnern und so etwas wie eine Geschichte daraus zu machen, die sie sich selbst und anderen wieder und wieder erzählen.

Eine mögliche Erklärung hierfür wäre die Beziehung der Quadranten zueinander. Körperlicher Schmerz ist im I. Quadranten anzusiedeln, dieser liegt in Opposition zum III. Quadranten. Seelischer Schmerz ist dem II. Quadranten zuzuordnen, dieser bildet eine Quadratbeziehung zum III. Quadranten. Oppositionelle Beziehungen sind in der Regel leichter „handhabbar“, da sie einander bedingen wie Tag und Nacht. Quadratbeziehungen stellen eine ständige Herausforderung dar. Markus Jehle beschrieb Quadrate sinngemäß so: „Es ist unmöglich, diese Eigenschaften/Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, und es ist auch dann nicht möglich, wenn man ihnen jeden Tag einen neuen Hut kauft.“ Quadrate sind demnach wie „Motoren“ oder anders ausgedrückt, eine Quelle der Motivation. Bezogen auf den seelischen Schmerz und das daraus resultierende Leiden könnte man meinen, dass diese Erfahrung „gebraucht“ wird, um einen eigenen Weg aus dem Leiden heraus zu finden.

Soweit meine Hypothese. Zu überprüfen wäre, ob Menschen mit Betonungen des II. und III. Quadranten tatsächlich ein subjektiv hohes Maß an Leidenserfahrung “benötigen”, um sich entschließen zu können, das Anhaften am Schmerz aufzulösen.

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Moral im Tierkreis

Samstag 26. September 2009 von Ouranos

Moralisches Handeln beinhaltet ein Verhalten, welches den Normen und Vorstellungen von “Richtig” und “Falsch” jener Gruppe/Schicht entspricht, der man angehört. Z.B. entspricht es unserer Moral, nicht zu töten und andere zu achten, gemäß unserer christlichen Vorstellung von Gut und Böse, die in unserer Gesellschaft verankert ist.

Die Moral kann aber nur entstehen, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben. Ohne Kontakt mit andere Menschen wären wir Wesen ohne Moral, würden uns nur um uns selbst kümmern. Wir würden nur unseren Trieb kennen und keine Rücksicht, keine Werte und keine Bindungen.

In Verbindung mit dem Tierkreis gesehen entspräche das dem Zeichen Widder, der reine Instinkt. Der Widder an sich handelt nicht schlecht oder “böse”, wenn er sich nur um die Befriedigung seiner instinktiven Bedürfnisse kümmert, es ist seine (unsere) Natur. Moralisch gesehen handelt er aber “falsch”, gemäß unserer Kultur.

Hier der Tierkreis und die Zeichenverbindungen in Bezug zur Moral:

Das Tierkreiszeichen Widder habe ich schon beschrieben, es entspricht dem eigenen Trieb und der eigenen Ursprünglichkeit.

Durch das Zeichen Waage wird der Widder jedoch ergänzt, er wird dazu herausgefordert, über sich selbst zu reflektieren und nachzudenken. Die Spannung Widder/Waage wird von der Begegnung zweier Welten erzeugt, die sich in ihrem scheinbaren Widerspruch ergänzen und doch zwei Seiten der gleichen Geschichte darstellen. Wenn wir auf einer einsamen Insel als einzige Person aufwachsen, und plötzlich kommt eine zweite Person dazu, werden wir zum Denken angeregt, wir entwickeln Bewusstein.

Aus dem Wechselspiel Widder/Waage ergeben sich neue Gedanken, man geht eine Verpflichtung ein. Der nächste Schritt enstpricht dann der Achse Stier/Skorpion, welche die Potentiale und Energien der Widder/Waage-Achse verdichtet und konkretisiert. Hier kommt es zu der Bildung einer Moral, einem Verhaltenskodex, dem sich alle zu fügen haben.

Der Übergang von Widder zu Stier entspricht einer Gruppenbildung, die jedoch reine Selbsterhaltung und Sicherheit als Motivation hat. Es existieren noch keine Vorstellungen über Moral, das Zusammenleben hat reinen Erhaltungscharakter. Das Halbsextil zwischen Widder und Stier zeigt schon, dass diese beiden schwer miteinander können, aber der Stier den Widder absichert.

Durch die bereits erwähnte Auseinandersetzung  mit dem Gegenüber bei der Achse Widder/Waage kommt es nun zu gemeinsamen Übereinkünften, es bilden sich Gruppen von Menschen, die einen gemeinsamen Verhaltenskodex entwerfen. Es bildet sich durch die gegenseitig Bindung ein Verhaltenskodex heraus, angezeigt durch das Zeichen Skorpion, welches dem Zeichen Waage (Begegnung) folgt. Der Skorpion gibt nun das “richtig” und “falsch” vor, er bildet das Gegenzeichen zum Stier, da der Skorpion geistige Werte impliziert, der Stier jedoch nur materielle und nur auf eine stabile Basis aus ist. Deswegen ist Stier/Skorpion auch die Werteachse. Und da der Skorpion das 7.Zeichen vom Stier aus ist, zeigt er eben die Gedanken der Gruppe, der man angehört.

Wie man sehen kann, bilden Widder und Skorpion ein Quincunx zueinander, die Werte und Vorstellungen, die sich beim Skorpion durch die Begegnung (Waage) herausgebildet haben, laufen dem Instinkt und dem reinen Trieb zuwieder, sind unvereinbar. Der Widder möchte z.B. gerade Fleisch essen, jedoch verbietet es ihm die Moral (Skorpion), da gerade Aschermittwoch ist.

Das Quincunx Waage/Stier lässt sich so erklären: Die Begegnung (Waage) läuft unserer Sippe zuwider (Stier), da sie ein Spiegel unserer individuellen Eigenart ist, die sich dort jedoch (wie bereits erwähnt) an Regeln zu halten hat. Also wenn ich in einem Dorf großgeworden bin, und dort bei Bauern aufwachse, und dann jemanden aus der Stadt begegne, auf den ich anspringe, dann ergeben sich zwischen dem aus der Stadt (Waage, Spiegel des Widders) und der eigenen Sippe (Stier) evt. Spannungen.

Die Werteachse Stier/Skorpion steht wiederrum im Trigon bzw. im Sextil zum Zeichen Steinbock, welches für unser Über-Ich und für unsere Normen und Gebote zuständig ist, und dafür, wie wir uns in einer (bzw. der) Gesellschaft und in der Öffentlichkeit zu verhalten haben. Eine Gesellschaftsschicht (Steinbock) besteht ja aus mehreren kleineren Gruppen, die ihre Wertvorstellungen haben (Stier/Skorpion). Wenn es heißt “Andere bestiehlt man nicht”, ist das eine Norm gemäß dem Zeichen Steinbock. Das Sextil zum Skorpion weiß darauf hin, dass wir auch moralisch richtig handeln, wenn wir uns dieser Norm fügen. Ein an die Normen und Gebote der Gesellschaft ausgerichtetes Verhalten (Steinbock) fördert auch die Gruppenzugehörigkeit (Trigon zu Stier).

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Die Grammatik des Horoskops

Sonntag 20. September 2009 von Ouranos

Dem Anfänger fällt es oft schwer, sich im Wald des Horoskops zurechtzufinden. Da wird von einem Haus 1/Mars/Widder - Prinzip gesprochen und so getan, als könnte man diese drei Begriffe unter einen Hut bringen, weil sie sowieso das gleiche Thema ansprechen. Zum Suchen und Finden von Konstellationen mag das hilfreich sein, für die konkrete Deutung stellt es aber eher eine zusätzliche Hürde dar. Dann tauchen Fragen auf wie “Ist Venus in 1 dasselbe wie eine Venus im Widder?” od. “Wenn es um meine Art mich zu verständigen geht, nehme ich dann das 3.Haus oder den Merkur?”.

Diese Fragen habe ich mir auch oft gestellt, doch durch die Praxis bin ich zu einer Antwort gekommen:

Man nehme einfach an, die Tierkreiszeichen stellen Modalitäten dar, so wie die Adjektive. Die Adjektive können einen Sachinhalt nur näher beschreiben (Haus im Zeichen), sie können ihm Attribute geben. Oder im Sinne eines Adverbs können sie einen Vorgang näher beschreiben (Planet im Zeichen).

Die Häuser sind für die Sachinhalte zuständig, sie zeigen an, um was es überhaupt geht. Sie weisen eine Parallele zu den Nomen auf, die immer den Inhalt eines Satzes angeben, um den es geht.

Die Planeten schließlich sind die Verben, sie sorgen für die Emotionen und Gefühle, die wir beim ausagieren einer bestimmten Energie erleben. Sie bringen alles in Bewegung und versorgen uns mit Gefühlen, Eindrücken und Vorstellungen.

Um jetzt beim Beispiel zu bleiben: Der Unterschied zwischen einer Venus im Widder und einer Venus in 1 ist der, dass die Venus im Widder nur allgemein aussagt, dass die Art und Weise der Hingabe stürmischer und instinktiver Natur ist. Die Fähigkeit, etwas zu lieben oder anziehend zu finden ist mit den Attributen Entflammbarkeit, Kraft und schnelles Zulangen behaftet, man fackelt nicht lange, um sich zu holen, was man begehrt. Währenddessen kümmert sich die Venus in 1 um ihr eigenes Wohlergehen, sie gibt sich den eigenen (Trieb-)Bedürfnissen hin, wie z.B. Essen oder die Durchsetzung eigener Antriebe. Wie sie das anstellt, verrät und wiederrum die Zeichenposition.

Michael Roscher sagte, dass z.B. die Venus nicht unbedingt für die Liebe im zwischenmenschlichen Sinne verantwortlich sein muss, wenn sie nicht Herrscher von 7 ist. Wäre sie z.B. Herrscher von 3 in 9, dann wäre die Radix-Venus nur für die Liebe und Anziehung zum Ausland, zu weiten Reisen oder Bildung zuständig, nicht jedoch für eine Beziehung zu einem anderen Menschen.

Dieser Aussage möchte ich jedoch entgegenhalten, dass man die aktive Fähigkeit zu Lieben und etwas anziehend zu finden nur über den Planeten Venus erfahren kann. Es stimmt zwar schon, dass ich die Partnerschaftsthemen eines Menschen hauptsächlich über das 7.Haus und dessen Konstellationen abdecken kann, jedoch gibt mir das 7.Haus nur eine Sachinformation über meine Partnerschaftsthemen. Das dortige Zeichen und der Herrscherplanet sagen mir dann noch, wie ich anderen begegne und was sich aktiv abspielt, jedoch erfahre ich dort nichts über meine aktive Fähigkeit, Liebe und Ästhetik zu empfinden. Denn bestimmte Gefühle empfinden können wir nur über die Planeten und ihre Energien.

Wenn jetzt die Venus in 3 stünde, wäre so jemand z.B. an Selbstdarstellung und Kommunikation interessiert, er möchte sich gerne ästhetisch kleiden und einen ergänzenden verbalen Umgang pflegen. Vielleicht ließt er auch gerne und liebt Wortspiele. Jedenfalls kann er die Fähigkeit zu Lieben über das 3.Haus entdecken, und diese Fähigkeit zu Lieben braucht es in einer jeden Liebesbeziehung. Dieser Mensch würde vielleicht über seine 3.Haus-Anlagen lernen, jemand anderen zu Lieben und sich ihm hinzugeben, und erfahren kann er das über Schrift und Wort (Haus 3). Also z.B. über Flirts, Liebesbriefe usw.

So, nun genug Grammatik für heute :)

 

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Der Dobermann, die Milch, der Mond und die Konstruktion

Samstag 12. September 2009 von GreenTara

In einem Vortrag, der auf seinem Buch “Wie wirklich ist die Wirklichkeit” beruht, bringt Paul Watzlawick etliche Beispiele dafür, wie Menschen und höhere Tiere ihre Wirklichkeit “konstruieren”, um sich nicht in Sinnlosigkeit und der daraus resultierenden Verwirrung zu verlieren. Das heißt, sie setzen etwas zueinander in Beziehung, was nicht zwangsläufig einen Bezug zueinander haben muss! Als ein Beispiel für diese “Konstruktionen” berichtet Watzlawick von einem Dobermann, der eine Leidenschaft für Milch entwickelte.

Der Halter des Dobermanns ließ den Hund, der die Nacht im Haus verbrachte, jeden Morgen in den Garten laufen, damit er dort sein “Geschäft” verrichten könne. Jeden Morgen füllte der Halter in der Zwischenzeit den Napf mit Milch. Wenn der Hund dann ins Haus zurückkehrte, lief er zu seinem Napf und trank mit Begeisterung seine Milch. Eines Morgens war keine Milch mehr da. Der Hund lief wie gewohnt zu seinem Napf, stutzte. Dann lief er wieder in den Garten, presste aus Leibeskräften drei Tropfen aus seiner leeren Blase und lief wieder ins Haus und zu seinem Napf. Nur, es war trotzdem keine Milch da.

Watzlawick schließt daraus, dass sich die Wirklichkeit, die nicht ungefiltert wahrgenommen werden kann, dann zeigt, wenn die Konstruktionen der Wirklichkeit zusammenbrechen, nicht mehr gültig sind. Die gültige Wirklichkeit des Hundes war: “Wenn ich in den Garten laufe, mein Geschäft verrichte und dann ins Haus zurückkehre, dann ist Milch in meinem Napf”. Er realisiert nicht, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen seinem Gartengang und dem Vorhandensein von Milch in seinem Napf gibt. Und so wiederholt er sein Verhalten, um an die Milch zu kommen. Außenstehenden ist bewusst, dass auch ein fünfter und sechster Gang in den Garten keine Milch in den Napf zaubern wird. Dem völlig verwirrtem Hund jedoch nicht.

Das heißt, der Hund unterliegt – wie die meisten Menschen, einem Trugschluss. Denn die wahrgenommene, konstruierte Wirklichkeit wird für die wirkliche Wirklichkeit, also für wirklich/wahr/real existierend gehalten. Ordnungen werden konstruiert, um Bezugspunkte zu haben, um an Erfahrungen anknüpfen zu können.

Von der wirklichen Wirklichkeit wissen wir nur, was sie nicht ist. So lange unsere Konstruktionen passen, ist das Leben relativ unproblematisch und erträglich. Stürzen die Konstruktionen ein, sind Kummer, Schmerz, Verwirrung die Folge. Dies wird schon in den Upanishaden beschrieben als die Wurzel menschlichen Leides: Es entsteht, wenn sich die wirkliche Wirklichkeit von unserem Bild der Wirklichkeit unterscheidet.

Wenn wir bisher erfahren haben, dass ein Gespräch etwas klären kann, dann werden wir alles daran setzen, ein Gespräch zu führen, um Meinungsverschiedenheiten oder anderes aus dem Weg zu räumen. Wir werden fassungslos und vielleicht auch wütend und ohnmächtig feststellen, dass uns das nicht mit jedem Menschen gelingt. Dennoch verhalten wir uns wie der Dobermann. Wieder und wieder suchen wir das Gespräch, scheitern wieder und wieder und werden immer unglücklicher, sind immer verstimmter, fühlen uns unverstanden und verlassen, schlecht behandelt oder missachtet. Nur selten kommen wir auf die Idee, dass ein Gespräch nicht zwingend eine Klärung herbeiführt. Aus der Erfahrung, dass es oft funktioniert, machen wir innerlich ein immer.

Oder wir haben gelernt, dass es zu einer richtigen Beziehung gehört, zu heiraten. Wir setzen alles daran, dass sich dieser Wunsch erfüllt, weil wir hoffen, dass sich dann unser Zustand verändert und wir verheiratet sehr glücklich sein werden. Die Heirat findet statt und nicht viel später setzt die Ernüchterung ein. Unser Zustand hat sich nicht deutlich spürbar verändert, wir sind nicht glücklicher.

Oder wir streben lange Jahre auf ein berufliches Ziel zu, nehmen viele Anstrengungen in Kauf, sagen uns: “Wenn ich diese Position erreicht habe, dann…”. Unsere Mitmenschen bestärken uns, indem sie bewundern, welche Mühen wir auf uns nehmen, um unser Ziel zu erreichen, sie sprechen uns Mut zu, schenken uns ihre Aufmerksamkeit. Dann sind wir endlich am Ziel, haben die neue Position. Nur – die ist nicht so, wie wir uns das ausmalten. Zwar sind wir nun weisungsbefugt, dürfen Anordnungen erteilen, aber den Grad an Entscheidungsspielraum, den wir uns vorstellten, haben wir nicht. Wir sind auch nicht zufriedener. Womöglich sind wir unzufriedener und unglücklicher als zuvor, denn wir fühlen uns um den Lohn unserer Anstrengungen und Bemühungen betrogen.

Was ist geschehen? Wir sind auf unsere Konstruktion “Wer sich anstrengt und ein Ziel erreicht, wird danach immer zufrieden sein” hereingefallen. Und wir verneinen, dass wir die Architekten unserer Wirklichkeit und damit unseres Lebens sind.

Hieraus könnte man ableiten, dass auch Astrologie eine Form der vielen möglichen Konstruktionen ist, mit deren Hilfe wir die Wirklichkeit wahrnehmen (und ich persönlich meine, das es auch so ist). Eine Methode, die genau dies berücksichtigt, ist die Transpersonale Astrologie. In der Deutungshierarchie des „Kybernetischen Modells“ stehen die Faktoren Mond, Merkur und Sonne an erster Stelle und innerhalb dieses „Ersten Regelkreises“ ist es der Mond als der primäre Wahrnehmungsfilter, der zuerst gedeutet wird. Seine Zeichen- und Hausposition, auch als Häuserherrscher, beschreibt, was aus dem Spektrum des Wahrnehmbaren als Wirklichkeit herausgefiltert wird. (Das ist vermutlich auch gut so, denn sonst würde „mensch“ ob der Fülle der möglichen Wahrnehmungen von Eindrücken völlig überflutet werden.) Der Mond wiederum hat eine Art natürliche Verwandtschaft zum IC und dem 4. Haus, also den Bereichen des Horoskops, die die seelische Eigenart in symbolischer Form beschreiben sowie zum Tierkreiszeichen Krebs. Die Spitze des Hauses, welches in dieses Tierkreiszeichen fällt, beschreibt also den Auftrag, den der Mond in dem Haus ausführt, in dem er im Horoskop steht.

Es kann nützlich sein, sich dies für sich selbst anzuschauen und zu prüfen, wie die eigene Wahrnehmung beschaffen ist. Aber Vorsicht: Auch dies ist nur eine weitere Konstruktion. ^^

Basis dieses Artikels ist: Wie wirklich ist die Wirklichkeit, Ausstrahlung des Deutschlandradios (Radio Kultur) eines Anfang der 90er von Paul Watzlawick gehaltenen Vortrags.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit – Das wir die Welt nicht einfach vorfinden, sondern unsere Welten erfinden, ist einer der Grundgedanken des radikalen Konstruktivismus. Watzlawick, Philosoph und Psychotherapeut, bringt uns diese Sichtweise in seinem Vortrag auf wirklich unterhaltsame Weise näher.

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