Einführung in die MERKURANUS Charakteranalyse – Teil 3
Samstag 11. Februar 2012 von Ralf Richard Kunze
Liebe Freundinnen und Freunde der Astrologie,
bevor ich zur Definition der Begriffe Seele und Geist komme, möchte ich noch eine allgemeine Betrachtung vornehmen:
Viele Menschen verstehen unter dem Begriff „Seele“ die Gefühle, Empfindungen und Emotionen, auch als „Herz“ bzw. „Bauch“ bezeichnet; unter dem Begriff „Geist“ verstehen sie die Denkvorgänge, den Verstand und das Rationale, den „Kopf“. Andere unterscheiden von der Bedeutung her überhaupt nicht zwischen Seele und Geist und verwenden die Begriffe synonym für den immateriellen Teil des Menschen. Im christlichen Verständnis wird angenommen, die Seele sei die menschliche Wesenheit, die am Lebensende nach Verlassen des Körpers zum „Himmel“ aufsteigt.
Die Dynamische Persönlichkeitsastrologie bietet andere und präzisere Definitionen an, die sich aus ihrer Symbolik ergeben: Die Gefühle, Empfindungen und Emotionen, das „Seelische“ im Sinne der Psychologie – aber nicht die Seele – werden durch den Mond versinnbildlicht. Die Denkvorgänge, der Verstand, das Rationale und die sogenannten geistigen Vorgänge und Tätigkeiten – aber nicht der Geist – werden durch den Merkur dargestellt.
Die beiden astrologischen „Hauptfaktoren“, der Aszendent und die Sonne, befinden sich in der Symbolik über den genannten Bereichen: Der Aszendent versinnbildlicht die Seele, die Sonne den Geist. Allerdings können beide nur zu einem Teil das erfassen, wofür sie stehen. Ich werde dies gleich erläutern.
Bei dem eben Gesagten wird wohl mancher konservative Astrologe, der noch in der klassischen Astrologie verwurzelt ist, protestieren. Der Aszendent galt nämlich früher als das Symbol des Körperlichen. Man hat versucht, physische Eigenschaften, besonders die Physiognomie, aus dem Aszendentenzeichen herauszulesen. Meiner Erfahrung nach spricht nichts dafür, dass man Gesichter nach Aszendententypen einteilen könnte. Sollte dies dennoch einmal zutreffen, so ist das wohl damit zu erklären, dass die Seele ihren Ausdruck in der Physiognomie finden kann. Das Körperliche wird von der Astrologie allenfalls in der Weise erfasst, dass bestimmte Gestirnskonstellationen auf Risiken in der Störanfälligkeit der ihnen zugeordneten inneren Organe hinweisen können. Doch sollte dies mit Vorsicht betrachtet werden.
Der Aszendent wurde und wird von einigen Astrologen auch als die „Maske“ bezeichnet, mit der ein Mensch seinem Umfeld begegnet und sein wahres Wesen dahinter verbirgt. Ich halte dies für einen der größten Fehler, die je in der Astrologie begangen worden sind. Reduziert man nämlich den Aszendenten, der ja die Seele des Menschen versinnbildlicht, auf dessen „Maske“, dann beraubt man damit die Astrologie ihres wichtigsten Faktors und führt sie in ihrer Sinnfindung ad absurdum.
Die folgenden Ausführungen im 4. Teil werden dies erklären.
Ralf Richard Kunze
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