ASTROeMOTION

Wie am Himmel, so auf Erden – Leben ist Bewegung

Einführung in die MERKURANUS Charakteranalyse – Teil 4

Montag 13. Februar 2012 von Ralf Richard Kunze

Liebe Freundinnen und Freunde der Astrologie,

hier nun die klare Definition für den Begriff Seele:

Die Seele ist unsere Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit ist die Summe der Erfahrungen aus allen unseren bisherigen Inkarnationen. Die Seele ist das, was wir wirklich sind, und zwar weit über unser derzeitiges Menschsein hinaus. Sie ist unsterblich.

Wir haben davon auszugehen, dass unsere ständige Wiedergeburt eine Tatsache ist, was für uns westliche Menschen, die wir im christlichen Gedankengut aufgewachsen sind, recht ungewohnt sein mag.

In diesem Zusammenhang ist es sicherlich interessant, dass die Bibeltexte ursprünglich viele Hinweise auf die Reinkarnation enthielten. Anlässlich der Konzile von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) wurde aus der Bibel fast alles, was auf Reinkarnation hindeutete, gestrichen. Zu Zeiten Jesu war das Wissen um die Reinkarnation aber offenbar Allgemeingut. Einige Passagen im Neuen Testament, die wohl von den kirchlichen Korrektoren übersehen worden sind, z. B. im Johannes-Evangelium, deuten noch darauf hin.

Ohne die Anerkennung der Reinkarnation ergibt die Astrologie keinen Sinn. Begrenzt auf unser derzeitiges Leben würde sie auf ein banales „Rate-wer-bin-ich-Spielchen“ oder eine im Detail sinnlose – weil nicht mögliche – Zukunftsschau reduziert.

Dass dies in der heute vorwiegend praktizierten Trivialastrologie leider die Regel ist, möchte ich hier bedauernd anmerken. Diese Trivialastrologie qualifiziert die Astrologie zu einem Konsumartikel ab, der nur einer banalen Unterhaltung dienen kann.

Die Seele ist bestrebt, sich weiter und immer höher zu entwickeln, um eines Tages im göttlichen Geist aufgehen zu können. Sie besteht aus vielen Teilbereichen, die in ihrem Entwicklungsstand unterschiedlich weit vorangeschritten sind. Es ist das Ziel der Seele, dass sich ihre weniger entwickelten, zum Teil noch destruktiv und unsozial eingestellten Bereiche durch deren eigene Einsicht irgendwann selbst erlösen. Das können diese Seelenteile offenbar am effektivsten durch eigene Erfahrungen auf unserer Erde, die zwar in ihrer Vielfalt wunderschön ist, aber auch die Voraussetzungen als „Arbeitsplanet“ bietet; deshalb die immer wieder erforderlichen Inkarnationen. Auch wenn das Wissen der Seele groß sein mag, so ändert dies nichts daran, dass erst die Erfahrung zur Einsicht führt.

Wenn die Seele sich in einem der Zwischenleben befindet, plant sie offenbar für die nächste Inkarnation ein neues Lernprogramm für einige ihrer Teilbereiche, wohl auch in Absprache mit anderen Seelen. Dabei hebt sie einen bestimmten Bereich, der einer intensiven Bearbeitung bedarf, besonders hervor. Sie wählt die passenden Eltern, den passenden Ort und den passenden Zeitpunkt – die richtige Zeitqualität – für die nächste Inkarnation aus. Es geht ihr darum, sich in Resonanz mit der kosmischen Schwingung zu befinden. Dies wird durch das Geburtsdiagramm (Radix), welches schematisch die Konstellation unseres Sonnensystems zum Zeitpunkt der Geburt darstellt, angezeigt.

Die Gestirne bewirken also nichts; sie zeigen nur etwas an, nämlich die Zeitqualität, diese allerdings mit absoluter Präzision. Dieser Denkansatz ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Astrologie und stützt sich auf die Erkenntnisse des Psychologen C. G. Jung, der mit dem Begriff der Zeitqualität die These der „Synchronizität der Ereignisse” eingeführt hat. Mit diesem Terminus bezeichnete Jung ein Prinzip, welches besagt, dass sämtliche zu einem beliebigen Zeitpunkt im Kosmos ablaufenden Ereignisse in einem analogen Zusammenhang stehen, auch wenn kein kausaler Bezug besteht. Dieses Prinzip basiert auf dem zweiten der sieben “Hermetischen Gesetze” aus dem Kybalion des altägyptischen Weisen Hermes Trismegistos, welches mit dem Leitsatz “Wie oben, so unten” bekannt wurde. Die moderne Quantenkosmologie bestätigt inzwischen diese Zusammenhänge durch die Erkenntnis, dass alles mit allem verwoben ist (Lit.: Fritjof Capra „Das Tao der Physik“).

Es ist davon auszugehen, dass die Seele zunächst nur zu einem sehr kleinen Teil in den Körper des neuen Erdenbürgers eintritt und allmählich mit weiteren Teilbereichen nachrückt. Sie wird aber nicht voll inkarnieren. Die bereits ausgereiften und damit „erlösten“ Anteile bleiben außerhalb, wenn auch in fester Verbindung zum Körper. Dieser wissende mit dem höchsten Geist verbundene Teil der Seele, wird als das „Höhere Selbst“ oder das „Höhere Bewusstsein“ bezeichnet. Er fungiert auch als eine Art „Schutzengel“.

Das Höhere Selbst darf nicht mit dem Freudschen „Über-Ich“ in der Psychologie verwechselt werden. Es ist eher das Gegenteil davon. Das Über-Ich ist nämlich die moralische Instanz im Individuum, die sich durch den Sozialisationsprozess im Kindesalter über die destruktiven Normen der repressiven Gesellschaft in das Unterbewusst-sein eingenistet hat. Das Über-Ich wirkt lebensfeindlich und behindert die freie Entwicklung des Menschen.

Die Aufgabe des Höheren Selbst in seiner Funktion als Schutzengel liegt nicht darin, den Menschen allgemein vor Unheil zu bewahren. Es bewahrt ihn nur vor solchem Unheil, das für seinen vorgesehenen Lern- und Entwicklungsprozess ohne Belang wäre; der Mensch braucht nicht sinnlos zu leiden. Es werden aber im Verlaufe dieses Lebens viele Probleme im zwischenmenschlichen Bereich und vielleicht auch karmisch bedingte Schicksalsschläge auf ihn zukommen, die er auf sich nehmen muss, um sie möglichst in ihrer Substanz aufzulösen, andernfalls sie zu tragen und aus der Erfahrung zu lernen. Das Höhere Selbst wird dafür sorgen, dass der Mensch nicht mehr aufgebürdet bekommt, als er ertragen und für seine Weiterentwicklung – die Höherentwicklung der aktuellen ausgewählten Teilbereiche seiner Seele – nutzen kann.

Im 5. Teil kommen wir zur grafischen Darstellung der Seele im Geburtsdiagramm.

Ralf Richard Kunze

http://www.charakteranalysen.de

 

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